Ab und an reist jemand an und ab …

… teilte uns der Kölner Fluxuskünstler Felix Kemner 1972 in einem seiner schönsten Werke mit. Fluxus, als Bewegung gegen (damals) sogenannte elitäre Hochkunst, wurde vom US-Künstler Emmett Williams mit »Das Leben ist ein Kunstwerk und das Kunstwerk ist Leben« erklärt und beschreibt die Einheit von Kunst und Leben oder eben den fließenden Übergang beider Zustände. Betrachtet man das Leben als Reise, auf der jede Erfahrung und im Idealfall eine damit einhergehende persönliche Reflexion in einen großen unüberladbaren Rucksack gepackt wird, ist jede persönliche Begegnung die Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur. Das Individuum wird, insofern man ihm und sich selbst die Chance gibt, zu einer eigenen Welt, an der es sich mehr oder weniger lohnt, ein wenig teilzunehmen, um Neues zu entdecken und daraus zu lernen.

Es ist jeden Tag – oder eben jeden Meter unserer Reise – immer die ganz eigene Entscheidung: Sehen wir um uns herum eine Herde, in deren Mitte wir galoppieren und vielleicht eher versehentlich das ein oder andere Herdentier kurz streifen, während wir von irgendetwas zumeist Ungefragtem und damit zugleich Unbekanntem getrieben werden, um den einfachen, unbekümmerten, vermeintlich richtigen Weg mitzugehen? Oder steigen wir auf die Bremse, lassen uns nicht vom Strom mitreißen, verschaffen uns zwischendurch Orientierung und entscheiden unseren Weg selbst?

Auch wenn Mode und Trends mehr und mehr Gefahr laufen, dem neuen »uniformierten Individualismus« zum Opfer zu fallen, der sich mit elektronischen Gadgets bewaffnet (die eher einer visuellen Gesamtaussage dienlich sind als dass sie Inhalte generieren) auf den Sesseln hipper Kaffeelounges breit macht, sollte uns bewusst sein, dass jede Hülle vergänglich ist und zuvorderst zählt, was drin steckt — und was heraus kommt.

Mode und der sie begleitende Mikrokosmos gehören zu den schönsten Nebensachen der Welt. Es ist das Neue, nicht die Wiederholung, das unsere – objektiv betrachtet – relativ kurze Reise zu einer gefühlt langen und spannenden Reise werden lässt und vielleicht am Ende zu einem Gesamtkunstwerk.

Viel Spaß mit einem kleinen Ausschnitt vom »Neuen«!

Michael Kaune