Luxus ist…
… sich alle Dinge, die man begehrt, kaufen zu können? Sich folglich jedweden Wunsch, der nicht an mentales oder emotionales sondern ausschließlich an finanzielles »Vermögen« gekoppelt ist, erfüllen zu können? Sich wortwörtlich alles erlauben zu können, sowohl in materieller als auch in moralischer Hinsicht?
Wohl kaum. In einer Welt, die mehr denn je von den Paradigmen Geld, Status und dem Erhalt desselbigen inflationär dominiert wird, sollte Luxus besser nicht mehr über einen monetären Kontext definiert werden. Vielleicht also der Moment für einen Paradigmenwechsel, um Begrifflichkeiten neu zu belegen? Gilt nicht vielmehr »Zeit« in unserer Gesellschaft als neues Luxusgut? Was daran liegen kann, dass, horcht man nur ein wenig hin, keiner sie mehr hat, aber offenkundig gerne hätte. Die tägliche Überbeanspruchung unserer Ressourcen durch künstlich produzierte Informationslawinen versetzt uns in einen Zustand permanenter Reizüberflutung. So reagieren wir immer häufiger statt zu agieren. Das bedeutet Stress, der dann auch noch »abgebaut« werden will – insofern wir Zeit dafür haben …
Dabei ist »Zeit« schlichtweg eine gesellschaftliche Erfindung, eine Organisationsstruktur, die im Grunde ausschließlich der Optimierung von Kommunikation dient, indem sie Aufwendungsvolumen definiert und Treffpunkte fixiert.
Befreien wir uns von dieser »Erfindung«, ignorieren also das permanente Befriedigen von fixierten Volumenanforderungen, neudeutsch auch »Deadlines« genannt, und konzentrieren uns statt dessen mit etwas gesunder Distanz zum Alltäglichen auf unser »Bewusst-Sein«. Folgen wir z.B. Dr. Jörg Richtsfeld (1), dem Geschäftsführer der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, der sich bewusst zur Kultivierung der Langsamkeit bekennt. Denn in der letzten Reinstmanufaktur der Welt bestimmen nicht computergenerierte Arbeitsabläufe und High-Tech-Maschinen den Alltag, sondern traditionelles Handwerk. Was in der Tat Zeit erfordert …
In den Fotografien des Amerikaners Todd Hido (2) ist die Zeit vielleicht nicht stehen geblieben, aber sie tritt ein wenig auf der Stelle, bietet dem Betrachter eine kleine Screen-Pause und lädt unweigerlich zum Geschichten erdenken ein.
Luxus und Zeit spielen auch in der Historie des Maybach eine große Rolle. Die Limousine diente uns als Interviewlocation. Und Gesprächspartnern wie David LaChapelle (3), Russell Simmons, Rafael Jablonka und Daniel Hug zur bequemen Ruhezone im Trubel der Art Basel Miami.
Unser australischer Backstage-Fotograf Sonny Vandevelde (4), der, um über 350 Shows pro Jahr zu dokumentieren, sämtliche Zeitzonen überfliegt, lässt uns in dieser Ausgabe hinter die Kulissen von Dries van Noten, Galliano, Gaultier, Hugo, Hermès, Givenchy, Lanvin, Dior, Viktor & Rolf und Vivienne Westwood blicken.
Nehmen sie sich also ein wenig Zeit …
Michael Kaune


