»Meta« von Sebastian Schönheit

Als Interior-Designer Erfolg zu haben, heißt anders zu sein als die anderen. Wir haben einige unserer liebsten Vertreter eingeladen, über das zu schreiben, was für sie anders und besonders ist. Lesen Sie welches Objekt Ina Yamaguchi von Deutsche & Japaner, am Herzen liegt. Weitere “Neuerscheinungen” finden Sie in QVEST No. 53 beim Zeitschriftenhändel Ihres Vertrauens.
Ich suche gerade nach einem neuen Möbel für meine Wohnung, genauer gesagt nach einem kleinen Tisch. Dieser sollte nicht nur als dekorative Ablagefläche dienen, sondern sich auch dazu eignen, Dinge aufzubewahren, die ich andauernd benutze. Der Beistelltisch »Meta« trifft genau meine Vorstellungen. Dieses funktionale Möbel in zeitgemäßer Optik versteckt nichts in Schubladen, sondern zeigt auf ihm abgelegte Dinge ganz offen, macht sie greifbar. Das eigenständige Design drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern funktioniert perfekt mit anderen Objekten zusammen. Dabei toleriert es alte Schmöker genauso wie Hochglanzmagazine, die Ablagefläche bietet Platz für altmodische Nachttischlampen oder frische Blumen. Deshalb steht »Meta« idealerweise neben dem Bett, der Couch oder einfach frei im Raum. Besonders gefällt mir die Balance zwischen dem Umgang mit strengen Linien und der charmanten Gesamterscheinung – diese gelingt Produktdesignern schließlich nicht immer.
»Meta« besteht aus pulverbeschichtetem Stahlblech, das sich in ausschließlich horizontalen und vertikalen Flächen darstellt. Je nach Blickwinkel sieht der Beistelltisch also mal leicht und mal eher massiv aus. Er wird zwar industriell hergestellt, wirkt aber formal dadurch nicht eingeschränkt. »Meta« gibt es in schlichtem Grau, Weiß und Schwarz, aber auch in mutigeren Farben, wie Rot, Türkis oder kräftigem Blau. Entworfen wurde er von Produktdesigner Sebastian Schönheit, dessen Arbeiten ich schon seit ihren Anfängen verfolge. Vor vier Jahren bin ich im Netz das erste Mal über eines seiner Werke gestolpert – eine überdimensionale Strickarbeit, recht ungewöhnlich für einen Produktdesign-Studenten. Seitdem werden seine Möbel quer über den Globus von Peking bis Mailand ausgestellt. »Meta« wird von NEW TENDENCY produziert, einer jungen Firma, von deren Arbeit ich ebenfalls ein großer Fan bin. Das Kollektiv aus ehemaligen Studenten der Weimarer Bauhaus-Universität hat sich nach einer gemeinsamen Ausstellung 2009 kurzerhand zusammengeschlossen und erschafft seitdem zeitgemäßes, funktionales Design mit ästhetischem Anspruch. Es ist spannend zu verfolgen, welche Entwicklung dort vonstatten geht. Nicht umsonst sind NEW TENDENCY für den »German Design Award 2013« nominiert.
Das Designteam von Deutsche & Japaner, bestehend aus Moritz Firchow, David Wolpert, Ina Yamaguchi und Julian Zimmermann, wurde 2008 gegründet und arbeitet seitdem interdisziplinär in den Bereichen Grafik- und Produktdesign. Kein Wunder, dass sie sich für den »Meta«-Tisch von Sebastian Schönheit entschieden haben: das avantgardistische Quartett bevorzugt eigensinniges Design.
