Der Antihumorist: Erwin Wurm

The artist begging for mercy (dedicated to Mauricio), 2002, 180 x 126 cm, c-print, Photo: Studio Wurm © Erwin Wurm: VBK, Wien 2012

Erwin Wurm ist Bildhauer. Seit über 25 Jahren setzt der Künstler sich mit der Erweiterung des klassischen Skulpturenbegriffs auseinander. Sein Ausgangsmaterial findet er dabei in vertrauten Alltagsgegenständen wie Pullovern, Stiften, Gurken oder Häusern, die unter anderem in seinen »One Minute Sculptures« zum Einsatz kommen. Seit Mitte der 1990er-Jahre zählt Erwin Wurm zu den international erfolgreichsten Gegenwartskünstlern. Wer seine Kunst kennt, weiß, dass er es wie kein Zweiter versteht, unsere Wahrnehmung mit Humor und einer Portion Zynismus auf die Probe zu stellen. Mit Vertrautem erleichtert er uns den Einstieg, um uns durch Verfremdung wieder zu verunsichern. Seine Skulpturen sind obskur, skurril und ironisch. Erwin Wurm mag Absurditäten. In seiner jüngsten Werkserie »Samurai & Zorro«, in der Modelle von Häusern mit physischer Gewalt deformiert wurden, verknüpft der Künstler Skulptur mit Aktionismus und Happening.
Was geht in einem vor, der Eimer über Köpfe stülpt, einem Pfarrer einen Apfel in den Mund steckt, einen Porsche in einen wulstigen Fettkloß verwandelt und einen Kleinbus um die Ecke knickt?

QVEST: Wie sieht ein gewöhnlicher Tag im Leben von Erwin Wurm aus?

Ich stehe auf und am Abend lege ich mich
nieder. Den Raum dazwischen fülle ich mit Aktivitäten.

Und welcher Aspekt Ihrer künstlerischen Aktivitäten gefällt Ihnen am besten?

Eine sehr schwierige Frage. Das ist so, als hätte man 10 Kinder und wird nach seinem Lieblingskind gefragt. Aber ich würde sagen, ich fühle mich dann am besten, wenn eine Arbeit abgeschlossen ist und ich die ersten positiven Reaktionen erhalte. Aber auch der Moment, in dem ich eine neue Idee habe und dafür brenne, diese umzusetzen – das ist ein toller Aspekt meiner Arbeit.

Sie haben Skulpturen von Häusern verschiedenster Patinierung und Form erschaffen, zunächst aus Ton geformt und dann mit Fußtritten, Fäusten und Ellenbogenhieben attackiert. Was sollen die zerstörten Häuser in Ihrer aktuellen Ausstellung thematisieren?

Aggression und Deformation als Gestaltungsmittel, die dazu dienen können, einen Raum neu zu definieren. Das war ein Aspekt, der mich in diesem Zusammenhang interessiert hat.

Warum der Titel »Samurai & Zorro«?

Ich habe jedes Haus anders betitelt. Und es gibt zwei Häuser namens »Samurai und Zorro«, die ich mit einer Eisenklinge
bearbeitet habe. Der Samurai kämpft mit dem Samuraischwert und Zorro ist bekannt für seine Fechtkünste.
Mit dem Samurai wird eine ritualisierte Aggression verbunden, die auf Grund seines eleganten Kampfstils und seiner Bewegungen ästhetisiert ist. Bei Zorro ist es ähnlich. Auch hier sind die Aggressionen durch seine Aura ästhetisiert. Es geht bei meinen Häusern um diese Ästhetisierung von Gewalt.

Das komplette Interview mit Erwin Wurm finden Sie in QVEST No.53 ab dem 10. Oktober 2012 beim Zeitschriftenhändler Ihres Vertrauens.

Adorno as Oliver Hardy in the Bohemian girl (1936) and the burden of desperation, 2006, 71 x 142 x 67 cm, Acrylic, Photo: Lisa Rastl © Erwin Wurm: VBK, Wien 201

Fat Convertible, 2005, 130 x 469 x 239 cm, car, styrofoam, polyester, Photo: Xavier Hufkens Galler y, Brussels, Belgium © Erwin Wurm: VBK, Wien 2012

Truck, 2005, 3,85 x 4,55 x 2,05 m, mixed media sculpture, Photo: Colin Davison / Installationview BALTIC, Newcastle, 2006
© Erwin Wurm: VBK, Wien 2012

Divert, 2012, 22 x 54 x 36 cm, bronze, gold-plated Photo: Eva Würdinger © Erwin Wurm: VBK, Wien 2012

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