Comme des Garçons: Amazingreen

Comme des Garçons ist nicht nur für unkonventionelle Kreationen auf dem Laufsteg bekannt, sondern auch für mutige Duftkompositionen, die nicht vor der Verwendung ungewöhnlicher Ingredienzien zurückschrecken. Nach Teer, Gummi und Kerosin wartet der neueste Duft des Labels mit Schießpulver und Feuerstein auf.
QVEST hat Jean-Christophe Herault, die geniale Nase hinter Amazingreen getroffen, um zu erfahren, wie man den Urwald olfaktorisch umsetzt, warum es großer Experimentierfreude bedarf, um ein gutes Parfum zu entwickeln und welche Rolle Literatur im Leben eines Parfumeurs spielen kann.

Einen visuellen Eindruck zu Amazingreen sehen Sie vorab hier:

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QVEST: Wie ist die Idee entstanden, einen Duft zu kreieren, der an den Urwald angelehnt ist? Kam Comme des Garçons mit der Idee dafür auf Sie zu oder haben Sie das Konzept zu Amazingreen gemeinsam entwickelt?

Jean-Christophe Herault: Comme des Garçons hatte eine konkrete Vorstellung von einem grünen Parfum, als sie mich kontaktiert haben. Trotzdem hatte ich bei der Umsetzung des Duftes jeden Freiraum. Für einen Parfumeur ist es wahnsinnig aufregend, so selbstständig und frei arbeiten und ausprobieren zu können. Aber Freiheit und Selbstständigkeit liegen ja quasi in der DNA des Labels verankert. Meine Antwort auf ihre Idee war dann eine Mischung aus Mineralien und Pflanzen.

Für Amazingreen haben Sie unter anderem Schießpulver verwendet. Experimentieren Sie oft mit ungewöhnlichen Ingredienzien?

Ein Parfum zu entwickeln, ist ein sehr komplexer und langwieriger Prozess. Rohmaterialien bieten in der Regel nicht nur eine Duftnote. Eine Rose beispielsweise kann nach Rose riechen, so wie man es kennt – gleichzeitig hat sie aber auch fruchtige Noten an sich, und auch grüne und holzige Komponenten. Innerhalb einer Ingredienz besteht sehr viel Interaktion, zwischen mehreren Ingredienzien sowieso. Deswegen ist es schwer, vorauszusagen, was dabei herauskommt, wenn man mehrere Duftstoffe miteinander kombiniert. Aus diesem Grund muss ich riechen, riechen, riechen, eben sehr viel ausprobieren und ja genau, experimentieren, um irgendwann genau zu der Formel zu gelangen, die ich in Gedanken konzipiert habe.

Wie lange hat es gedauert, Amazingreen zu entwickeln?

Weniger als ein Jahr.

Oh, ich nehme an, das ist ziemlich schnell.

Ja, man weiß nie wirklich, wie lange die Kreation eines neuen Duftes dauern wird. Die Idee für den Duft schlummerte schon Jahre lang in meinem Kopf, aber ich musste erst die Möglichkeit bekommen, sie auch umsetzen zu können.

Jean-Christophe Herault

Ich habe gelesen, dass Sie mit dem Geruch von Efeu – ein zentraler Bestandteil von Amazingreen – viele Kindheitserinnerungen verbinden. Verwenden Sie häufig solche Duftnoten in Ihren Kreationen, zu denen Sie eine emotionale Beziehung besitzen?

Ja. Manchmal passiert das bewusst, manchmal auch ganz unbewusst, so dass ich es erst im Nachhinein oder vielleicht nie realisiere. Kennen Sie den Schriftsteller Marcel Proust?

Ja. Ich habe gelesen, dass der berühmte Parfumeur Pierre Bourdon es Ihnen zur Auflage gemacht hat, Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zu lesen, bevor er eingewilligte, Sie in die Lehre zu nehmen.

Oh, Sie wissen ganz schön viel über mich!

Vorbereitung ist alles!

Ich kann also nicht lügen hier (lacht)! Der Roman ist großartig für einen künstlerisch arbeitenden Menschen. Es gibt diese eine Passage, in der der Protagonist einen Kuchen namens Madeleine isst und ihm durch den Geschmack eine Fülle an Kindheitserinnerungen in den Kopf schießen. Mit den Erinnerungen kommen viele Gefühle hoch. Das ist ein Phänomen, das ich mit meinen Düften erzeugen will.

Was ist das Wichtigste, das Pierre Bourdon Ihnen beigebracht hat?

Er hat mich gelehrt,  dass ein Parfumeur zu sein, heißt, ein Kreateur zu sein. Das ist auch der Grund, warum er mich bat, den Roman von Proust zu lesen. Er wusste um die inspirierende, treibende Kraft dieses Romans. Nachdem ich es gelesen hatte, entschied ich mich dazu, Kunstgeschichte zu studieren. Das war sehr wichtig für mich, um meine Fantasie zu nähren. Und um den Prozess des Kreierens zu verstehen. Aber auch, um meine Sprache anzureichern und zu lernen, über meine Düfte zu sprechen. Sie in Worte zu fassen.

Also hat er Ihnen beigebracht, als Parfumeur nicht im Kämmerchen zu hocken, sondern rauszugehen in die Welt und Kunst, Literatur etc. kennenzulernen.

Ja, genau.

Wenn Amazingreen ein Buch wäre – was für Buch wäre es? Ein Abenteuerroman vielleicht?

Ja, vielleicht (lacht). Tatsächlich ähnelt der Prozess, einen Duft zu kreieren in meinen Augen sehr jenem, ein Buch, eine Geschichte zu schreiben. Ich kombiniere Akkorde mit verschiedenen Bedeutungen, um olfaktorische Sätze zu bilden. Ich erzähle eine Geschichte mit meinem Parfum. Das Absurde ist, dass ich schon so viel über Amazingreen gesprochen habe und mir trotzdem immer was Neues dazu einfällt.

Das ist erstaunlich.

Ja. Trotzdem wird es nie genug Worte geben, um ein Parfum zu beschreiben. Es ist wie bei einem Gemälde. Du kannst einem Freund davon berichten, dass du ein großartiges Kunstwerk gesehen hast, aber du wirst nie in der Lage sein, es wirklich zu beschreiben. Auch ein Parfum muss man riechen, um es zu verstehen.

Amazingreen ist offensichtlich ein sehr grüner Duft – welche Rolle spielt die Natur, besonders der Regenwald in Ihrem Leben?

Um ehrlich zu sein, verbinde ich mehr Erinnerungen mit Efeu als dem Dschungel (lacht).

Welchen Menschen sehen Sie als Träger von Amazingreen vor sich?

Ich habe kein konkretes Bild in meinem Kopf. Es es geht mehr um den Geist. Offene Menschen, die auf der Suche nach Originalität und Qualität sind – so stelle ich mir die Personen vor, die Amazingreen tragen …

Amazingreen ist erhältlich über ausliebezumduft.de, EdP 90 Euro. Weitere ungewöhnliche Düfte für den Herbst finden Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe (QVEST No.52).

 

 

 

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    [...] riecht der Urwald? Das hat sich Jean-Christophe Herault (hier im Interview mit QVEST), die geniale Nase hinter Amazingreen, gefragt und mit einer Symbiose aus Palmblättern, grünem [...]

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