Haute Couture Backstage: Christian Dior

Die Haute Couture ist in Frankreich heilig. Im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht nur, dass die Bezeichnung rechtlich geschützt ist, ein strenges Gremium wacht ebenfalls über alle Entwicklungen des Nationalgutes. Und das nicht erst seit gestern: Bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert ließ der Finanzminister von Ludwig XIV., Jean-Baptiste Colbert, verlauten: »Die Mode ist für Frankreich, was den Spaniern ihre Goldminen in Peru sind.« Ausgehend von dieser Wahrnehmung ist es nur konsequent, dass die »Fédération Française de la Couture et du Prêt-à-Porter« standesgemäß gegenüber dem Élysée-Palast residiert. Und sich dabei krisensicherer als die Politik des jüngsten Staatspräsidenten erweist. Grund genug also, die Königin der Mode mit einem Haute Couture Report par excellence zu würdigen.

Wie es hinter den Kulissen der Show von Christian Dior aussah, sehen Sie hier. Weitere Einblicke in die Backstage-Bereiche von Chanel, Atelier Versace, Armani Privé und Valentino finden Sie in QVEST No.52, die ab dem 22. August im Handel erhältlich ist.

Skeptiker gab es anfangs viele. Würde Raf Simons, der studierte Industriedesigner und modische Autodiktat, die Feuertaufe im ur-französischen Couture-Haus Dior bestehen? Kann der aus Antwerpen stammende Avantgarde-Designer, bekannt für seinen formenstrengen Minimalismus, die opulente Signatur von Monsieur Christian Dior in eine neue Designsprache transferieren? Spätestens beim Anblick der Kulisse verstummten jegliche böse Zungen sofort: Fünf Räume des Gebäudes einer privaten Stiftung wurden mit über einer Million Blüten dekoriert. Elektrisch blauer Rittersporn dominierte in einem Raum. Ein weiteres Zimmer war erfüllt von Orchideen, während Mimosen einen anderen Raum zart duftend einhüllten. Eine geniale Hommage an die einstige Blumen-Obsession des Haute-Couture-Gründervaters. Im Fokus der Kollektion: Das 1947 von Dior vorgestellte Kostüm »Bar«, das zum ikonischen Symbol des New Look avancierte. Simons dekonstruierte sanft dessen Elemente, ein tailliertes Schoßjäckchen zum ausladenden Rock, und proportionierte so charakteristisch eine neue Formenvielfalt: Mal erschien das signifikante Oberteil als bunt bestickte Korsage zur schwarzen Zigarettenhose, mal wurde es als futuristisch anmutende Robe interpretiert.

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