Interview mit Metz & Kindler

 

Michael Kindler bildet zusammen mit Guido Metz das Designerduo Metz & Kindler, das sich nicht nur von einer langjährigen Freundschaft, sondern auch von einem ähnlichen Sinn für Ästhetik profitiert. Obwohl das erfolgreiche Gestalter-Doppel aus Darmstadt schon in den verschiedensten Bereichen Produkte entworfen hat, zieht es sie immer wieder in Richtung Küche. Für Rosenthal kreierte das Doppel jüngst das Geschirr Nendoo. Warum jenes so wunderbar schlicht ausgefallen ist und was die Molekularküche mit ihrer Arbeit zu tun hat, erfuhr QVEST im Interview mit den beiden.

QVEST: Erzählen Sie ein paar Sätze über sich. Wie wurden Sie zu Porzellandesignern?

Metz & Kindler: Wir arbeiten schon seit 1997 mit WMF, Auerhahn und Silit zusammen. Ein Umweg führte uns 2007 ans Bremerhavener TTZ, wo wir alles über die sich damals sehr im Aufwind befindende Molekularküche erfuhren. Unser Ansatz lag darin, zu hinterfragen, was moderne Köche für veränderte Arbeitswerkzeuge benötigen.

Wie ging es weiter?

Kurz danach lernten wir Juan Amador kennen, der als Pionier in der Molekularküche gilt. Amador sagte, er “brauche alles, aber vor allem Dinge für den Tisch, die Werkzeuge in der Küche sehe ja kaum jemand” . . . und als der Espresso in einer Tasse serviert wurde, die überhaupt nicht zu Amador passte, beschlossen wir, eine erste kleine Porzellankollektion für ihn zu gestalten. So kamen wir zu Reichenbach, später zu Tafelstern und danach zu Rosenthal.

Wie entsteht ein Geschirr?

Die Entstehungsgeschichte eines Geschirrs kann ganz simpel sein: Man hat eine Idee, zeigt sie einer Firma und diese setzt sie dann in ein hoffentlich schlüssiges Marktkonzept um.

Warum haben Sie sich mit Nendoo für ein weißes, sehr schlichtes Design entschieden? Was das Konzept dahinter?

Unser Designkonzept ist der Gegensatz zwischen Tellerrand und Essfläche. Wir wollten eine grobe, unregelmäßige Rippenstruktur und einen klaren, reinen Essbereich. Mit anderen Worten hat die Oberflächenbeschaffenheit das Dekor schon fast ersetzt. Daher ist in erster Linie alles weiß. Wir wollten kein Geschirr entwerfen, in dem viele blasse Teile ein Ganzes ergeben, sondern im Gegenteil starke Teile kreieren, die sich optimal in bestehende Linien integrieren lassen. Unser Geschirr soll Kunden dazu inspirieren, nach und nach weitere Teile aus der Serie zu erwerben, einfach weil sie sich an Einzelstücken erfreuen. Wir nennen es liebevoll den Nendoo-Virus. Aber im Ernst: es sollten alles Lieblingsprodukte werden, die im ersten Moment anders sind, aber die man Stück für Stück schätzen und lieben lernt.

Aus wie vielen Teilen besteht Ihre „Nendoo“-Kollektion?

Derzeit besteht sie aus 50 Teilen, wobei wir darauf geachtet haben, dass eine Vase durch einen kleinen Metallfingerhut zum Kerzenleuchter wird oder eine Schale als Plätzchen- und Salatschale, Vase oder Terrine verwendbar ist.

Sie haben die Nendoo-Kollektion auf moderne Essgewohnheiten zugeschnitten. Wie sehen diese in Ihren Augen aus? 

Es wurden deutlich weniger Teller- und Schüsselgrössen berücksichtigt, dafür aber einige Solisten hinzu genommen, die wir die Mini-Etageren nennen. Diese bieten neben dem Teller eine ganz eigene Tischarchitektur, die sich durch die unterschiedlichen Höhen bis zur Tischmitte aufbauen lassen kann (mit Kerzenleuchtern oder schlanken Vasen). Man kann mit den Solisten aber auch einzelne Speisen besonders hervorheben. Weiterhin haben wir beim Kaffeethema das Kaffeeset eingeführt. Da wir in der Vergangenheit viele Kaffeevollautomaten gestaltet haben, wissen wir, dass auch die Tassen und Kaffeesets zeitgemäß erscheinen müssen. So beinhaltet ein Nendoo-Espressoset einen großen Unterteller mit kleinem Wasserglas und einer Espresso- oder Doppiotasse.

Wann kaufen Menschen hochwertiges Porzellan?

Wir sprechen bei Nendoo zwar von hochwertigem Porzellan, aber nicht von hohen Preisen. Hier wurde bewußt ein junges Publikum angesprochen – vom Produkt über den Preis über die Bildsprache. Es geht ja heute beim Porzellan-Kauf nicht mehr so sehr um die Aussteuer oder Ähnliches. Es gibt eigentlich drei Lager: Eines, das kauft, weil es ihm gefällt und es auch häufig verwendet. Dann das Lager der Käufer, die ihr Alltagsgeschirr haben und nur zu besonderen Anlässen das gute Geschirr herausholen. Und dann das Lager der Statussymbol-Liebhaber, die zeigen wollen, dass sie sich das Geschirr leisten können, aber gar keinen Bezug dazu haben.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Designer?

Erst einmal sollte man Erfolg definieren. Heißt das, bekannt bis hin zum Popstar-Status zu sein oder eher, dass man von seiner Arbeit gut leben kann? Oder beides? Metz &  Kindler gehören eher zu den stilleren Designteams, die sich über ihre Arbeit definieren. Wir können nur für uns reden und sehen Selbstdisziplin und ein hohes Maß an Interesse an allem Neuen und Alten, aber auch eine Mischung aus Hartnäckigkeit, Ausdauer und gar Penetranz als Basis, um erfolgreich als Designer arbeiten und leben zu können.

1 Comment

    Ein wunderbarer Tellerrand, über den wir hier gemeinsam schauen dürfen! Blicken wir auch auf das Food Design, weil sich beides befruchtet: Form, Farbe, Geruch, Konsistenz, Verzehrgeräusche; die Sinnesorgane nehmen einen Gesamteindruck auf, das Darbietende und das Dargebotene emulgieren in der bleibenden Impression. Nicht nur in der Molekularen Küche, sondern bei jeder “Art” Food Design wird auch die Verzehrsituation eingebunden, zum Beispiel im ttz Bremerhaven: http://www.ttz-bremerhaven.de/de/food-design-xl.html

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