Isabel Tallos: Die Raumpflegerin

Isabel Tallos (geb. 1983 in Madrid) erschafft magische Bilder, die sie zu einem festen Bestandteil der spanischen Kunstszene haben werden lassen. Und auch international gewinnt sie immer mehr an Ansehen. Ihre Fotos zeigen eine erfundene Realität, lösen beim Betrachter Unruhe aus und faszinieren durch eine spektakuläre Inszenierung. Wir haben uns mit der Künstlerin über die Themen ihrer Arbeit, die künstlerischen Modelle und ihren Ansatz zur Fotografiekunst unterhalten.

QVEST: Du hast aufgrund Deines Interesses für die Malerei an der Kunstakademie in Madrid studiert, also war die Fotografie anscheinend für Dich damals noch nicht von so großer Bedeutung. Wie bist du zum ersten Mal mit der Fotografie in Berührung gekommen?

Isabel Tallos: Ich lernte die Fotografie zuerst im Labor kennen und nicht hinter der Kamera. Mit 16 fing ich an, alte 6×6-Filme zu entwickeln, die mein Großvater zu Hause hatte, ohne je Abzüge davon gemacht zu haben. Ich besaß damals noch nicht einmal eine Kamera, aber die Neugier, die Romantik der alten Filmrollen und die magischen Vorgänge im Labor faszinierten mich. Nach meinem Abschluss an der Kunstakademie wurde die Kamera dann zu meinem wichtigsten Werkzeug. Das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft setzt sich aus Fotos zusammen, dank ihnen kennen wir unsere eigene Geschichte. Wir wissen, welche Frisur wir mit drei, mit sechs und mit zehn hatten, unsere Erinnerungen beruhen darauf. Das Medium Fotografie steht dem Großteil des Publikums deswegen am nächsten.

In Deinen Fotos spielt der Raum eine große Rolle. Du spinnst einen Dialog zwischen dem Raum und dem Menschen, der ihn bewohnt. Woher stammt dieser Ansatz und seit wann beschäftigst Du Dich damit?

Es findet ganz klar ein Dialog statt, aber mit einer bestimmten Hierarchie. Der Raum selbst ist immer das Fragende, das, was sich aufdrängt. Der Körper dagegen unterwirft sich dem Raum, der ihn umgibt. Unser Selbstbild ändert sich je nach dem Raum, in dem wir uns gerade befinden. Wenn wir eine Kirche betreten, fühlen wir uns sehr klein, wenn wir dagegen Ameisen am Boden betrachten, reicht eine Fußbewegung und schon ist ihre ganze Stadt zerstört. Mich fasziniert ganz besonders die Dualität von kleinen Räumen: Manchmal sind sie ein Gefängnis, in dem wir uns eingesperrt fühlen, dann wieder ein Nest, das uns schützt und behütet. Der Raum ist schon seit meinen ersten Fotos das wichtigste Objekt. Eine Fotografie entsteht, wenn Licht, das einen physischen Raum erkundet, auf eine lichtempfindliche Fläche trifft. So werden drei Dimensionen auf zwei komprimiert, Konzepte wie vorne und hinten, oben und unten verändern oder verlieren ihre Bedeutung.

Manchmal konstruierst Du Dir eigene Räume, dann verwendest Du wieder bereits bestehende Räumlichkeiten wie zum Beispiel private oder öffentliche Räume, Hotelzimmer und Ähnliches. Was macht einen Raum für Dich interessant?

Auf jeden Fall muss das Licht besonders sein, diffus; es muss jede Ecke, jeden Winkel eines Raums sanft erkunden, wie etwas sehr Intimes. Ich bevorzuge künstliche Lichtquellen – wenn es sich um natürliches Licht handelt, muss es sich verdeckt halten und darf nie verraten, welche Tageszeit wir gerade haben, so dass die Fotografien sich über die Zeit hinwegheben und absolut beständig sind, still und zeitlos. Ich mag nackte Wände, die ihre Geschichte durch die Textur, Wasserflecken oder Sprünge erzählen. Die Formen sollten einfach und geometrisch sein, wie eine kleine Schachtel, in der man all seine Geheimnisse aufbewahrt, und die man später unter einem Baum vergräbt …

Das Interview in seiner gesamten Länge als auch weitere, traumschöne Bilder finden Sie in unserer brandneuen Ausgabe – QVEST No.49.

Series “Low Cost” : CO Montbrillant Institute, Geneva, 2010

Series “Low Cost”: Metro Alexanderplatz, Berlin, 2010

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    [...] spektakuläre Bilder der spanischen Fotokünstlerin Isabel Tallos, die Räume als Illusionsflächen [...]

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