Bonuskinder

Vielleicht erscheint es Ihnen etwas ungewöhnlich in einer Rubrik, die sich mit den liebsten materiellen Anschaffungen beschäftigt, über Bonuskinder zu sprechen. Aber Adam und Mara, besagte Bonuskinder, haben mit ihrem Auftauchen mein Leben am nachhaltigsten beeinflusst. Ich bin der dritte Mann meiner Frau, die wiederum meine erste ist. Als wir uns zur Heirat entschlossen, hießen die beiden wundersamen Wesen, die sie mit in die Ehe brachte, noch Stiefkinder. Sie waren damals 13 und 15 Jahre alt, und eine Gebrauchsanweisung lag leider nicht bei. Also learning by doing. Hatte ich anfangs gedacht, die zum selben Zeitpunkt eröffnete Galerie wäre die größte Herausforderung in meinem Leben, belehrten sie mich schnell eines Besseren. Doch wir haben uns im Alltag Schritt für Schritt aneinander gewöhnt, haben die Pubertät gemeinsam gemeistert, und so manch zugeschlagene Tür hängt wider Erwarten auch heute noch in den Angeln. Studiengebühren tauchten auf und wieder unter. Es wurde ausgezogen, umgezogen und kurzzeitig auch wieder eingezogen, das einzige Kontinuum: immer eine Reihe Kartons mehr im Keller als die eigenen. Adam hat mir das Fahrradfahren beigebracht und designt – inzwischen mit Diplom ausgestattet – meine Einladungskarten, während dank Maras Kunstgeschichtsstudium die Kunst der Gegenwart nun auch auf historischen Füssen steht. Wir leben seit gut zehn Jahren miteinander; ein Zeitraum, den man braucht, um Anschaffungen dieser Art auf Vorzüge und Nachteile zu überprüfen. Lassen Sie es mich mit facebook knapp und präzise sagen: Gefällt mir. Dank des in diesem Jahr im Kösel Verlag erschienenen Buchs »Aus Stiefeltern werden Bonuseltern « des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul heißen die beiden inzwischen Bonussohn und Bonustochter, und ich selber bin zum Bonusvater avanciert. So findet die ganze Entwicklung nun auch noch einen positiven Namen. Sollten Sie noch darüber nachdenken, wie Sie nun den diesjährigen, vielleicht doch nicht so gering wie erwartet ausfallenden Jahresbonus anlegen sollen, hier mein Rat: Schauen Sie sich doch einmal im Freundes- und Bekanntenkreis etwas genauer um – vielleicht wartet auch auf Sie eine lebensverändernde Anschaffung dieser Art.
Wir lieben Werner Klein nicht nur für diesen sehr persönlichen, warmherzigen Beitrag – sondern auch für die sensationelle Auswahl in seiner Galerie. Dort gibt es Zeichnungen von Sebastian Rug und Barbara Camilla Tucholski sowie die hypnotischen Acryl-Bilder von Wonkun Jun zu bestaunen – und zu kaufen.