Queen Mary

Auf Aphrodites Spuren: Die gebürtige Griechin Mary Katrantzou darf zu Recht als Göttin der Schönheit in der Modewelt tituliert werden. Ihr Markenzeichen sind kunstvolle Digitalprints, die mit architektonischen Formen in Szene gesetzt werden und seit 2008 Einkäufer, Kunden und Medien rund um den Globus begeistern. Das Label genießt unter Modeinsidern längst Kultstatus – Anna dello Russo und Anna Wintour gelten als bekennende Fans. Dabei strebte die 1983 in Athen geborene Designerin keine Fashionkarriere an: Sie entschied sich zunächst für ein Architekturstudium an der amerikanischen Rhode Island School of Design, dass sie jedoch nach eineinhalb Jahren abbrach, um am berühmten Central Saint Martins College of Art and Design in London »Fashion Textiles« zu studieren. Mit beträchtlichem Erfolg: Ihre Abschlusskollektion wird derart hymnisch gefeiert, dass sie sich entschließt im Frühjahr 2008 auf dem offiziellen Kalender der London Fashion Week zu präsentieren. Schon in der ersten Saison ordern über ein Dutzend Einkäufer ihre Kollektion ad hoc vom Catwalk. Zudem wird sie mit dem »New Generation Sponsorship« für sechs Saisons unterstützt – eine unverzichtbare Starthilfe für Jungdesigner, die sonst vielleicht an den harten finanziellen Anforderungen des Business scheitern würden. 2010 wird Katrantzou mit dem »Swiss Textiles Award« ausgezeichnet, einer weiteren Förderung, die einmal mehr ihr herausragendes Talent belegt. Die Stufen zum Modeolymp sind also erklommen.
QVEST: Mary, Du strebst eigenen Angaben nach eine »hyperrealistische Ästhetik« in Deiner Designhandschrift an. Was genau meinst Du damit? Und wie äußert sich dieser Anspruch am Körper der Trägerin?
Mary Katrantzou: Den Begriff habe ich am Anfang meiner Karriere gefestigt, als meine Signatur prägnant auf den Punkt gebracht werden musste. Zu der Zeit war die experimentelle Auseinandersetzung mit Prints und Grafiken nicht wirklich Usus in der Modewelt; es herrschte eher die eindimensionale Verwendung als Druck. Zudem wurde eine progressive Entwicklung auf diesem Gebiet nicht konsequent verfolgt. Meine Intention war und ist es bis heute Prints ans Limit zu pushen. Und sie dadurch neu zu erfinden. Durch die Verschmelzung verschiedener Referenzen und Inspirationen aus Architektur, Kunst und Modegeschichte versuche ich dreidimensionale Kreationen zu entwerfen, die den Frauen schmeicheln – und sie ausdrücklich nicht zu grotesken Museumsobjekten verkleiden sollen. Letzteres vermuten leider viele, wenn sie meine Kollektionen zum ersten Mal sehen … »I want to be a living work of art«, das Thema der Herbst/ Winterkollektion 2011 beschreibt es besonders gut: extraordinäre Prints, die an couturigen Shapes realisiert wurden; diese jedoch weisen dann schlußendlich eine vertraute Tragbarkeit auf – und nehmen den Kundinnen somit die Berührungsängste.
Und wie sah die Inspiration zu diesem historischen Zitat von Marchesa Luisa Casati aus, nach dem Du Deine 2011er Kollektion benannt hast?
»Die Frau im Raum« – kultivierte Damen der besseren Gesellschaft, die sich mit den edelsten und rarsten Kostbarkeiten aus aller Welt umgeben: »Objets d’Art« wie Meissen-Porzellan, Fabergé-Eier, Ming-Vasen oder Coromandel-Paravents schmücken ihre exquisit dekorierten Häuser. Dabei dienen die eben angesprochenen Coutureformen als Projektionsfläche für all diese Objekte; ein Spannungsfeld zwischen Mode und Interieur sollte zum Ausdruck gebracht werden …
Das gesamte Interview finden Sie in unserer neuen Ausgabe (QVEST No. 48) – erhältlich seit dem 24. November 2011.