Und ewig lockt der Jet-Set

Seite 1 Seite 2 Seite 3

Diese Saison vor 55 Jahren wurde in Saint-Tropez ein Film gedreht; die Reichen und Schönen fanden deshalb eine ihnen angemessene Heimstatt. Und erfanden dort so bahnbrechende Dinge wie das Dolce Far Niente, die Gentleman-Playboys und die Paparazzi.

Immer wenn der Sommer kommt, zieht der gleiche, etwas in die Jahre gekommene Film vor dem geistigen Auge auf: Schöne Menschen, halbnackt am Strand, in der linken Hand den Cocktail, in der rechten ein schönes Mädchen… und wem das etwas patronizing und schmierig vorkommt, der/die liegt vollkommen richtig. In den späten Fünfziger Jahren, in denen Eddie Constantine »nur kesse Kätzchen krault«, erhebt sich eine geschlossene, privilegierte Gesellschaft, um mit dem Flugzeug (Jet) an Orte zu fliegen, wo man dann seinesgleichen trifft, also unter sich ist, um dann um die schnellsten Autos und schönsten Frauen zu konkurrieren und in einer Männerwelt eine Figur zu formen, die jeden Dandy blass aussehen lässt: den Gentleman-Playboy. Legen Sie an, riechen Sie nichts als Salz, Parfum und Sonnenöl. Willkommen im Jet-Set, der Welt der Schönen und Reichen, die die Lebenskunst auf hohem Niveau beherrschen: alles zu haben und der Langeweile stilvoll die Stirn zu bieten.

Brigitte Bardot mit ihrem Dackel vor ihrer Villa in St. Tropez, 1962 © Bettmann / Corbis

Kurze Rückblende: In Zeiten der Billigflieger kann man sich nur noch schwer vorstellen, dass privates Fliegen einmal das Privileg einiger schwerreicher Menschen war. Wenn diese Menschen nicht nur reich waren, sondern zum puren Zeitvertreib flogen, dann gehörten sie zum so genannten »Jet Set«; einer Handvoll Leute, die sich das schlicht leisten konnte. Kleinster gemeinsamer Nenner: Viel Geld, gerade darum sehr begehrt und vor allem: nichts zu tun. Und manche von ihnen sahen dazu noch verdammt gut aus. Sie trafen sich untereinander, gaben kräftig Geld aus und scharten Animateure und Statisten um sich: Party People, Künstler, Filmund später auch Popstars. Wo andere Kinder reicher Eltern wie Getty, Hearst und Co. nichts mit sich anfangen konnten und auf Abwege gerieten, frönte der professionelle Jet-Set der Lebenskunst, ein komplett zweck- und sinnfreies Zusammentreffen zum Event zu machen. Und das muss man erst einmal schaffen. Wo andere sich die Beine in den Bauch standen, sich ein Gesprächsthema aus der Nase zogen oder etwas Weißes in dieselbe hinein, da verstand sich der Jet-Set auf die Inszenierung des Ungewöhnlichen, auf die Herausforderung, die das Leben jenseits dekadenter Strömungen bot, die Besinnung auf das, was das Leben ausmachte und vielleicht immer ausmachen wird: Schönheit, Kunst, Mode, Musik, oder Erotik. Parce que Dieu créa la femme…

Seite 1 Seite 2 Seite 3

Leave a Reply