Phoenix aus der Asche

Versus Spring/Summer 2011

Wofür das Modehaus Versace und die Linie Versus unter anderem stehen, ist die nahe Verbundenheit zur internationalen Musikszene. Sie selbst sagten einmal, dass sie Rock’n’Roll hören, wenn Sie für Versus designen.

Das stimmt! Aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich während dieser Saison nur italienischen Disco-Pop gehört habe! Rauf und runter, und zwar die richtig alten, fiesen 80er Jahre Tracks …

Das stellt allerdings einen Kontrast zu der neuen, eleganteren Richtung von Versus dar, oder?

Auf jeden Fall! Dieser Musikstil erscheint aber unverfänglich und versucht einfach nur Spaß zu verbreiten. Wenn sich auch die Kreationen verändert haben, so wünscht man sich doch nach wie vor diese »Feel good«-Botschaft in der Mode, oder?!

Unbedingt! Sie sind bekennender Brite, zeigen Ihre eigene Linie während der London Fashion Week. Wie schwer ist es für einen Engländer Kollektionen für ein italienisches Modehaus zu kreieren? Oder anders gefragt: Gibt es überhaupt noch native Unterschiede in einer globalisierten Welt?

Schon als ich aufwuchs, war Versus sehr relevant und sehr präsent in meinem Umfeld. Die Ästhetik, die von Gianni und Donatella erschaffen wurde, hat eine ganze Fashion-Ära geprägt und die Modehistorie auch nachhaltig beeinflusst. Die Nachwuchsgenerationen werden unmittelbar von verschiedenen Stilen geprägt, nicht allein von den italienischen Brands. Wie Sie schon sagen, die Globalisierung hinterlässt ihre Spuren, auch in der Modebranche, und auch da signifikant. Auf die Entwicklung von neuen Talenten, hat dies gewiss positive Auswirkungen …

Kommen wir zu harten ökonomischen Fakten: Eine Zweitlinie wird nicht allein gegründet, um eine jüngere Kundschaft anzusprechen, sondern primär um mehr Umsatz zu generieren. Auch wenn »Diffusion-Line« als böses Wort in der Modewelt gilt, wage ich trotzdem zu fragen, ob dieser Gedanke aus kreativer Sicht überhaupt eine Rolle spielt?

Nein, denn es dreht sich für mich in erster Linie darum, den Frauen Kollektionen anzubieten, die betören, die eine Sehnsucht nach etwas Besonderem wecken. Ob dann diese bestimmte Kreation preislich niedriger angesiedelt ist als in der Hauptlinie, interessiert mich nicht wirklich. Das Paradoxe ist ja, dass sich heute wieder alle jünger kleiden wollen, als sie tatsächlich sind. Vor zwanzig Jahren existierte dieses Phänomen nicht. Da gab es zu jeder Altersklasse einen gewissen Dresscode, den man einhalten sollte. Also können wir diese Entwicklung als Chance für Versus sehen, weiter zu wachsen …

Würden Sie Mode als Kunst bezeichnen oder mehr als ein Produkt, dass man konsumiert?

Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass die Mode am Ende des Tages ein Geschäft ist, in dem es nun mal um schwarze Zahlen geht. Dessen bin ich mir sehr bewusst. Aber ich finde, dass die Kreativität darunter nicht leiden darf. Ich genieße meine Arbeit wahrhaftig jeden Tag und schätze die Herausforderungen und Abwechslungen in diesem Metier. Kurz gesagt, ich bewerte die Mode als eine Art Handwerk; die Kunden sollen mit ausgefallenen, qualitativ einwandfreien und gut durchdachten Kreationen verzaubert werden. Die Frau muss im Vordergrund stehen!

Und womit wollen Sie und Donatella Versace uns in Zukunft verzaubern? Was hält die nächste Zeit Spannendes für Sie und uns bereit?

Es ist für mich erst der Beginn bei Versus. Für mich sind es unglaubliche Lernerfahrungen, die ich hier Tag für Tag sammele. Daher bin ich wirklich dankbar, für ein derart großes und bedeutendes Unternehmen arbeiten zu dürfen. Es steckt noch so viel Potenzial in Versus, welches Donatella und ich mit großem Fleiß weiter ausschöpfen möchten. Denn eines ist sicher: Versus rocks again!

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