Die Bewahrerin
Nach welchen Kriterien haben Sie die Autoren ausgewählt?
Es sind schlicht einige Lieblingsautoren von Ulrich Rüdenauer, der auch als Herausgeber fungiert, und mir versammelt. Wir haben das einfach mal versucht, warum auch nicht? Fragen kostet ja nichts, und so haben wir die Autoren zum größten Teil einfach blind angeschrieben. Zum Teil hat sich dann auch eine Art Schneeballeffekt entwickelt. Wir waren überwältigt von der Resonanz.
Gab es ein »Briefing« für die Texte?
Alle Autoren haben die gleichen 25 Bildkombinationen bekommen; sie kannten den Titel »Archiv verworfener Möglichkeiten« und wussten nur, dass es sich um Locationvorschläge handelte, die letztendlich, aus welchen Gründen auch immer, nicht in den Film gekommen sind. Auf weitere Informationen haben wir bewusst verzichtet, um den Autoren eine größtmögliche Freiheit bei der Entwicklung ihrer Antworten zu lassen.
Welche Absage hat Sie am meisten geschmerzt?
Wir haben uns über die Zusagen gefreut. In Erinnerung bleiben aber auch einige originelle Absagen wie zum Beispiel die von Peter Handke, der handschriftlich zurück gab, dass er »trotz augenweckender Bilder« schlicht »nichts tun möchte«. Also auch nicht schreiben. Der Philosoph Jacques Rancière, dem ich nach einer Vorlesung in Berlin ein paar Bilder und eine Anfrage in die Hand drückte, schrieb eine Mail aus New York: »Your idea is great« – aber er sei für die nächsten zwei Jahre ausgebucht.
Welcher Text hat Sie am meisten überrascht?
Mich überraschten die verschiedenen Interpretationen von ein und demselben Foto, also wie verschiedene Schriftsteller eine bestimmte räumliche Situation vollkommen diametral interpretieren, zu ganz anderen Erzählmotiven und Handlungsschlüssen kommen. Das ist schon verblüffend und zeigt die Originalität der einzelnen Autoren.
Können Sie eigentlich noch Räume betreten, ohne diese nach Verwertbarkeit für Ihr Archiv zu »screenen«?
Nein, tut mir leid. Ich sehe immer mit dem Verwertungsauge. Das macht mir Freude, das ist nun mal so …
Welcher Film würde wohl in Ihrer eigenen Wohnung gedreht werden?
»The Comfort of Strangers«. Aber den gibt es ja schon, den hat Paul Schrader bereits verfilmt …
Privat, Hamburg
Gebetshaus, Hamburg
Privat, Quilty / Irland
Keller Hubertusbad, Berlin
Ospedale Monaldi, Nepal
Leerstehende Schifffahrtschule, Hamburg
Treppenhau Uni Hamburg
Hörsaal Uni Hamburg
Naomi Schenk – Archiv verworfener Möglichkeiten
Galerie Renate Kammer
02.09-05.10.2011
Münzplatz 11, 20097 Hamburg
Curated by Esther Schulte & Alexander Sairally.
