Marni: Stille Revolution
Sie ist schüchtern, introvertiert und redet sehr leise. Das Blitzlichtgewitter der Red Carpets meidet sie – und die berühmt-berüchtigten Partys der Modebranche sowieso. Consuelo Castiglioni, Gründerin des Labels Marni,gehört zu den geheimnisvollsten Designern der Jetztzeit. Und gleichzeitig zu den erfolgreichsten. QVEST begab sich auf Spurensuche nach einem Phantom der Mode …

Was beschäftigt die Mode seit jeher? Weniger die rein pragmatischen Ansätze wie Komfort oder Tragbarkeit, sondern vielmehr Historie und Tradition sowie die ihr immanente Ästhetik, die naturgesetzmäßig immer im Kunstkontext steht. Weshalb die Grenzen zwischen Mode und Kunst auch immer weiter verschwimmen. Dieses Spannungsfeld wird von niemandem besser beherrscht als von Consuelo Castiglioni, Gründerin und Kreativchefin des italienischen Kult-Labels Marni. »Ein Kleid kann durchaus als Kunstwerk betrachtet werden,« beteuert die Designerin. »Es erschafft eine Dreidimensionalität und benötigt darum ein minutiöses Handwerk. Kunst bedeutet, aus einem grenzenlosen Kosmos an Farben, Formen und Details schöpfen zu können – das gilt auch für einen Modedesigner.
«Das Vermögen, sich dieser Vielfalt zu bedienen und daraus innovative Ideen zu entwickeln, katapultierte Marni zum Erfolgsunternehmen, und vielleicht noch wichtiger: Zum Mode-Favoriten der intellektuell gesinnten Frau. Fazit: Marni gehört zu den einflussreichsten Labels der Gegenwart, gepaart mit beachtlichem kommerziellen Erfolg. Nicht unbedingt selbstverständlich für eine Marke, die eine Selbstbefreiung von Modetrends propagiert. Das Geheimnis des typischen Marni-Stils liegt in der Kombinationsfähigkeit der Kollektionen, die zweimal jährlich bei den Fashion Weeks in Mailand präsentiert werden. »Es gibt nicht die Marni-Frau; ich preise dementsprechend auch kein Diktat eines kompletten Looks an. Frauen, die unser Label tragen, möchten ihren persönlichen Stil auf eine unkonventionelle Art und Weise ausdrücken. Sie sind neugierig und enthusiastisch, experimentieren gerne mit Strukturen und Farben – nur so entsteht letztendlich ein eigener, nachhaltiger Stil!«, betont Consuelo Castiglioni. Und diese Signatur des Hauses entlädt sich in modernen Interpretationen von Taillenraffungen, exzeptionellem Colour-Blocking, fantasievollen Prints sowie smarten asymmetrischen Schnitten. Die Strategie geht auf: Man gebe den Frauen ein außergewöhnliches »Statement-Piece«, das ausreicht, um den Rest der Garderobe über Jahre aufzuwerten. So kann beispielsweise ein Mantel von Marni…
Den weiteren Teil unseres Portraits lesen Sie in unserer neuen Ausgabe (QVEST No.46), die seit dem 30. Juni im Handel erhältlich ist.