The Pola World of Bruno Bisang

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Bruno Bisang hatte sie alle: Naomi Campbell, Yasmeen Ghauri, Claudia Schiffer und Iman. Doch die wahre Schönheit seiner Models entdeckte der Schweizer Fotograf erst auf jenen Polaroids, die er vor den Shootings anfertigte. Ein im Mai erscheinender Bildband von Bruno Bisang zeigt ausgewählte Polas der schönsten Frauen der Welt. Und lässt die Göttinnen in irdische Sphären tauchen…


Naomi Campbell for Swish, New York 1994

Othello ist Schuld. Womit an dieser Stelle nicht Shakespeares tragischer Held, sondern ein gleichnamiges Programmkino in Ascona, einer malerischen Kleinstadt im schweizerischen Tessin, gemeint ist. An dem kam der damals zehnjährige Bruno fast jeden Tag nach der Schule vorbei, wenn er seine Mutter an ihrem Arbeitsplatz, einem Schuhgeschäft, welches in direkter Nachbarschaft des Lichtspielhauses lag, besuchen wollte.
Dort bewunderte er die hinter Vitrinen ausgestellten Filmbilder aus den neuesten Werken von Vittorio de Sica, Roberto Rossellini und Federico Fellini. Allerdings war es weniger deren neo-realistischer Anspruch, der Bruno begeisterte, als vielmehr die weiblichen Ikonen dieser Zeit: Silvana Mangano, Claudia Cardinale, Sophia Loren. Unerreichbare, göttinnengleiche Wesen, die zumindest für einen kleinen Moment, gebannt auf prachtvolle Stills, greifbar schienen. Und so legten die schönsten Frauen der damaligen Zeit unbewusst die Weichen für einen Mann, der seit nunmehr drei Jahrzehnten zu den gefragtesten Modefotografen der Welt gehört. Beseelt von dem Gedanken ins Filmgeschäft einzusteigen, fand Bruno in seiner Mutter eine engagierte Verbündete. »Sie hat mich von Anfang an bestärkt und unterstützt – das war für meine spätere Karriere sicher entscheidend.« Frau Bisang erkundigte sich nach möglichen Ausbildungswegen, worauf man ihr erst einmal zu einer Fotografenlehre riet. Die absolvierte der 1952 geborene Schweizer dann in Zürich, es folgten Anstellungen in Studios, wo er von der Produktfotografie bis zu ersten Modeproduktionen die ganze Bandbreite erfasste und verinnerlichte.
1979 machte er sich selbständig; und avancierte über die Jahre zu einem der erfolgreichsten Modefotografen in seiner Heimat. Doch Bisang erkannte, dass er, würde er sein volles Potenzial ausschöpfen wollen, der Schweiz den Rücken kehren musste. Also ging er 1985 ins Epizentrum der Mode, nach Paris – eine Entscheidung, die er nicht bereuen sollte. Schon bald erhielt er die ersten Aufträge von kleinen Magazinen, bald darauf klopfen die französische Vogue, Femme, Madame Figaro und L’Officiel an. Im Zuge seiner Arbeit für die großen Modejournale traf der Tessiner dann auf jene Frauen, die den Kanon des Modelbusiness neu definieren sollten: Naomi Campbell, Carla Bruni, Christy Turlington, Monica Bellucci und Claudia Schiffer. »Bei ihr war es eine besondere Situation. Denn ihr Agent kann auf mich zu, nachdem Claudia Aufnahmen von mir in der Vogue gesehen hatte und wohl sehr angetan war. Also ließ sie anfragen, ob ich ihren Kalender fotografieren wollte«, fasst Bisang den ersten Kontakt mit Schiffer zusammen.

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