Triumph Speed Triple 1050

Die schiere Kraft von Motorrädern ist für normale Autofahrer unvorstellbar. Selbst Fahrschulräder können 100 km/h innerhalb von nur 4 Sekunden erreichen. Um das in einem Auto zu schaffen, benötigt man mindestens 400 PS … und gut 100.000 Euro. Um es in 3,5 Sekunden auf 100 km/h zu bringen, benötigt man einen Porsche »Turbo« oder einen Ferrari »458 Italia«. Dieser Spaß kostet dann um die 200.000 Euro (ohne viel Wechselgeld). Der »Speed Triple« kostet 11.845 Euro und katapultiert sich – im ersten Gang und mit heiserem ungewöhnlichem Aufheulen – innerhalb von 3,3 Sekunden auf 100 km/h. Dabei wird der Fahrer verzweifelt versuchen, Herr der Lage zu bleiben und das Gewicht so nach vorn zu verlagern, dass das Vorderrad Bodenhaftung behält und sich nicht himmelwärts verabschiedet. Das klingt für Sie etwas schrill? Ist es auch. Der »Speed Triple« von 1997 war der wohl erste serienmäßige Street Fighter und erlangte Berühmtheit als Bike der Hooligans. Es war ein maskulines Motorrad: hart im Nehmen und kompromisslos, ungeschliffen und ungezähmt. Diesen Ruf als Kultobjekt hat es bewahrt. Das diesjährige 2011-Modell besitzt weiterhin einen leichten Metallrahmen und einen großen 3-Zylinder-Motor mit 1050 cm3 Hubraum, der über ein dermaßen hohes Drehmoment verfügt, dass ein unachtsamer Ruck im Handgelenk einen ungewollten Kavalierstart auslösen kann. Und es verfügt über derart starke Bremsen, dass ein kleiner Druck mit zwei Fingern dazu führt, dass sich der griffige Metzler »K3« Vorderreifen in den Straßenbelag gräbt und das fett bereifte Hinterrad abhebt. Die legendäre Explosivität des »Speed Triple« ist ungebrochen. Das neue Modell unterscheidet sich von seinen Vorgängern, indem man sich nun auf das Bike verlassen kann: ein Pitbull, mit dem auch die Kinder spielen dürfen. Wenn man es will, ist es willig und fügsam; der Motor zieht ohne Vibrieren oder Verzögerung direkt aus dem Leerlauf an, und das Handling besitzt die Direktheit und Präzision einer Sportmaschine – ohne deren Nervosität. Das Fahrerlebnis bietet umfangreiches Feedback, aber ohne Härte. Was bleibt, ist die Dramatik: Man kann sich sicher sein, dass es einem die Arme aus den Schultern zieht – wenn man es denn will.

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