Der Lexus LFA

Sobald man den Startknopf am Steuerrad betätigt, leuchtet in Blickrichtung ein hochauflösender Bildschirm auf. Die Effekte des virtuellen Kampfjet-Cockpits werden Sie nicht übersehen können und sich sogleich in ein Waffensystem versetzt fühlen. Zu Recht. Die Waffe ist in diesem Fall ein 552 PS starkes 4,8 Liter V10 Gefährt. Aber das Visuelle verliert sich sogleich in der explodierenden Geräuschkulisse, die nach wenigen Sekunden in einen ruhigeren Leerlauf übergeht. Sie sind jedoch gewarnt: Hier gibt es keinen runden V8-Sound, sondern eine etwas ausgefallenere, kantigere Drum & Bass Melodie.
Das Erlebnis eines AMG 63 CL (0-100 km/h in 4,5 Sekunden) weckte in mir die Neugierde darauf, was ein Supercar mit 100 km/h anstellt. Der erste Versuch ergab erstaunliche, aber letztlich enttäuschende 4,4 Sekunden. Ist das alles? Der LFA kostet 215.000 Euro mehr und wiegt 500 kg weniger – er ist aus Carbonfaser handgefertigt. Der Wagen hat alles, was Lexus und Toyota – als weltgrößtes Automobilunternehmen – aufzubieten haben. Da geht noch mehr; bestimmt!
Der LFA benötigt eine Startkontrolle. Ferraris und Porsches haben eine; das bringt bei 100 km/h noch einmal eine halbe Sekunde. Angeblich sollen die Wagen, die ab Anfang 2011 ausgeliefert werden, eine solche erhalten, aber im Moment ist es noch Sache des unbeholfenen Fachjournalisten, die Ehre des Lexus wieder herzustellen. Ich hatte in Car and Driver gelesen, dass man einfach in den Leerlauf wechseln und dann die Umdrehungen auf 3800 bringen muss, um danach den Gang reinzuhauen. Das klingt irgendwie unwahrscheinlich, es muss eine Art Computerkorrektur geben, die so etwas Verrücktes verhindert, aber probieren wir’s halt aus. Hallllo! 3800 U/min im Leerlauf klingen bereits wütend; wenn man dann noch den Gang einschiebt, greifen die 300 mm Reifen, und es fühlt sich an, als ob dich von hinten ein Zug anfährt. Bei 6500 U/min, bei denen ein Porsche Turbo in den nächsten Gang schalten würde, wandelt sich das Stakkato zu einem wütenden Geheul, und die Beschleunigung geht einfach weiter und weiter. Wenn bei 9200 U/min die 6-Gang-Schaltung weiterschaltet, ertönt ein durchdringendes Wehklagen aus den drei Auspuffrohren. Das war wirklich schneller! Der Tacho bestätigt: in 3,7 Sekunden von 0 auf 100; und selbst bei 300 km/h hatte das Beschleunigen noch kein Ende …