Der MINI Scooter E

Tief im Inneren eines rauen, behaarten Bikers steckt immer auch jemand, der sich zumindest einmal pro Woche als adretter, modebewusster Schönling entpuppen möchte, als jemand, der sein dreckiges, ölverschmiertes Motorrad stehen lässt, seine schwere Motorradjacke an den Nagel hängt, sein fettiges Haar zurückkämmt, um in einen schicken Ben Sherman Anzug zu schlüpfen, eine italienische Sonnenbrille aufzusetzen und sich auf einem Scooter bei der Fahrt durch die Stadt in den spiegelnden Schaufensterscheiben zu bewundern. Aber das schrille Kreischen einer klassischen Vespa, diese Mischung aus kleinem Kläffer und Motorsäge ist gleichsam eine Beleidigung für Ohren, die über Jahre hin vom satten Brümmen einer Ducati oder einer Moto Guzzi V2 verwöhnt wurden.
Der Mini Scooter E mit seinem lautlosen Auftritt könnte eine Lösung darstellen für diese Möchtegern-Mods, denn er bietet den Look, aber ohne das Kreischen. Auch wenn es sich derzeit noch nicht um mehr als ein Konzept handelt, weiß uns Mini- Designer Gerd Hildebrand zu versichern, dass der Scooter E mit Hilfe der BMW Motorrad-Sparte sehr schnell Realität annehmen könnte, sofern die offiziellen Vorstellungstermine in Paris und London positiv ausfallen. Die technischen Geburtswehen der Elektroautos – wie begrenzte Reichweite sowie Gewicht, Größe und das Aufladen der Batterien – sind keine Faktoren für leichtgewichtige Motorroller mit geringer Antriebsleistung. Durch Lithium-Ion-Batterien, die sich über Nacht aufladen lassen, sind Entfernungen von 80 bis 100 km und Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h kein Problem, so Hildebrand. Auch bedarf es keiner Hochtechnologie – denn China macht es bereits vor: 60 Millionen Fahrer huschen hier täglich auf Elektrorollern durch die Megacities. Sobald also die technischen Fragen geklärt sind, wird es nur noch um das Aussehen gehen – und dass der Scooter E in dieser Kategorie punktet, steht außer Frage. Ein paar Verweise auf den Mini, ein bisschen Vespa – der Scooter E kommt knuddelig daher, aber keinesfalls zuckersüß. Das freiliegende Hinterrad erinnert an ein Go-Kart und bringt Schwung in ein verschmitztes Konzept, bei dem sich ein Lächeln gar nicht verhindern lässt. Man möchte – ganz Kleinkind – sofort aufspringen und losrauschen und das neue Spielzeug stolz den Freunden präsentieren. Der Instrumentenblock verfügt über eine große runde Wählscheibe wie der Mini, in deren Mitte befindet sich allerdings ein Anschlussdock für ein Smartphone, das zugleich als Zündung, Navigationsgerät und Music-Player dient. Hmm, vielleicht fehlt da nur noch die App, die dem Ganzen ein saftiges Harley-Geräusch verleiht …

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