Der Rattenring von Georg Hornemann

Ja, ich weiß, es ist politisch nicht korrekt und wahrscheinlich traumatisiere ich jetzt Kinder, Katholiken und Konsumfetischisten gleichermaßen, aber es muss mal gesagt werden: Ich finde Weihnachten unerträglich! Dieser ganze Lichterquatsch (kitschig), die oktroyierte Einnahme von Mahlzeiten (lästig), deren Fett- und Zuckergehalt (eklig) den Grundstein für Diabetes Typ 2 legen, das nervenaufreibende Besorgen von Geschenken (überflüssig) und Familienangehörige, die sich angesichts der Koordination von alledem gerieren, als hätten sie zu viel aus Carl von Clausewitz’ »Vom Kriege« gelesen. Und dann noch diese Weihnachtsmärkte … wobei der Gipfel der Absurdität ist, dass sie an den eigentlichen Weihnachtstagen bereits wieder geschlossen haben. Nein, ich bin definitiv kein Weihnachtsmensch, soviel ist klar! Geschenke habe ich natürlich trotzdem gern. Aber dafür muss es ja nicht unbedingt einen festgelegten Tag geben, finde ich. Geschenke einfach mal so zwischendurch, ohne Anlass oder Zwang, sind da viel schöner, weil überraschender, spannender, freigiebiger. Und gerade letztere Aspekte fördern das emotionale Band zwischen Schenker und Beschenktem ungeheuer. Ich habe neulich ein Geschenk entdeckt, für das ich prompt neue emotionale Bande knüpfen würde. Es ist ein Ring, auf dem eine Ratte aus pinkfarbenen Saphiren und weißen Diamanten hockt, die gerade an einer Nuss (oder was essen Ratten so außer Müll?) zu mümmeln scheint. Dabei ist die Ratte anatomisch und in ihrer Körperhaltung derart lebensecht nachgeformt, dass man im nächsten Augenblick glaubt, sie würde sich gleich vom Ring lösen und davonlaufen. Schöpfer dieses possierlichen Schmuckstücks ist übrigens der Goldschmied Georg Hornemann, der sich bei der Kreation seiner edlen Stücke gerne von Märchen inspirieren lässt. Und von der Architektur, weshalb man seine juwelengeschmückten Preziosen auch als Miniatur- Bauwerke bezeichnen könnte. Doch genug der Lobhudelei, für mich stellt sich nun ein ganz anderes Problem: Wie bringe ich es fertig, dass der Rattenring (legal) in meinen Besitz übergeht? Ich könnte in den Laden gehen und fragen, ob ich ihn die nächsten 300 Jahre abstottern kann, klar. Oder meine Eltern bitten, mir aufgrund einer akuten Notlage (Hunger? Durst? Schmucklosigkeit?) sofort 17.500 Euro anzuweisen. Oder Paul Allen heiraten. Oder noch einfacher: Ich könnte mich auf Weihnachten berufen und einfach meinen Mann fragen, ob er mir nicht was Hübsches schenken will. Eigentlich finde ich lichtgeschmückte Bäume, ofengegarte Gänse mit Klößen und die Céline Dion-Beschallung auf Weihnachtsmärkten doch gar nicht so schlecht … Da sieht man mal wieder, zu welchem Opportunismus der Mensch fähig ist, wenn es um die Befriedigung materieller Bedürfnisse geht. Pfui!