Roeckl: Mut zur Wandlungsfähigkeit

Die vielleicht couragierteste Vertreterin der Philosophie Roeckls, neuen Strömungen zu folgen, statt alten hinterherzuhängen, ist Annette Roeckl, die vor sieben Jahren die Führung der Firma Roeckl Handschuhe & Accessoires GmbH & Co übernahm.

Wenn man sich ihren Werdegang anschaut, sind der Schritt zur Unternehmensführung und ihre Hingabe an die Tradition eher eine Überraschung. Bis sie 20 Jahre alt war, trug Annette Roeckl aus Prinzip keine Handschuhe. Sie empfand die Familientradition als Last, rebellierte gegen die Bürde der Vergangenheit. Erst als ihre Mutter aufgrund eines Autounfalls plötzlich ausfiel und Annette Roeckl sie für einige Monate im Marketing vertreten musste, realisierte sie, wie viel Freude ihr die Arbeit im Unternehmen tatsächlich bereitete.

Als Geschäftsführerin in sechster Generation begreift sie die Fortführung des Familienunternehmens als einen Balanceakt zwischen Tradition und dem Mut zur Wandlungsfähigkeit. Wie schon ihre Vorgänger trägt sie den Anspruch weiter, Handschuhe in höchster Qualität zu fertigen. Um jene Qualität zu sichern, lässt sie sogar als eine der wenigen weltweit wieder einen Lehrling zum Handschuhmacher ausbilden – ein Beruf, der in den letzten Jahren fast verschwunden ist. Gleichzeitig ist sie immer bemüht, in innovativen Richtungen zu denken. So holte sie auch Andreas Aschauer Martinelli als Brand Manager ins Unternehmen, mit dessen Hilfe sie für modernen Wind sorgen will. Der gebürtige Wiener hat bereits für Versace gearbeitet und war als Kreativdirektor bei Wolford tätig.
Gleichzeitig konzentriert sich die 43-jährige darauf, andere Felder im Accessoirebereich weiter auszubauen. Ihr Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Kernkompetenz Leder – letztes Jahr gründete sie sogar eine eigene Taschen-Produktionsstätte im rumänischen Sebes.

Taschenkollektion zum 170. Jubiläum

Die Materialien für ihre Produkte lässt die Firmenchefin von überall aus der Welt liefern – wie das berühmte Peccary-Leder, das von der kleinsten Art des südamerikanischen Wildschweins stammt und in reiner Handarbeit mit bis zu 2.000 Stichen zu Handschuhen verarbeitet wird.

Aufwendige Handarbeit, die fast allen Roeckl-Handschuhen zugrunde liegt. Zu schade also, um sie nur an kalten Tagen zu tragen. Annette Roeckl selbst geht selten ohne Handschuhe aus dem Haus. Die Hand ist ihr zufolge, neben dem Gesicht, der individuellste Ausdruck des Menschen. Und der gehöre besonders verpackt und von erlesenen Materialien geschmeichelt.

Seidentuch und Handschuhe aus der Herbst-/Winterkollektion 2010/2011

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