Die Hutkreationen von Fiona Bennett

Als ich das erste Mal das Atelier der Hutdesignerin Fiona Bennett suchte – es war 1992 – stolperte ich in Berlin-Mitte über eine verwilderte Brache in ein Haus, was förmlich danach schrie abgerissen zu werden. Sobald man aber durch die Tür ging, war man in einer anderen Welt. Eine lichtdurchflutete, geheimnisvolle und, wie es schien, vergangene Welt öffnete sich vor einem. Nur auf den Zehenspitzen und flüsternd durchwandert man diese Welt, wo man förmlich versinkt und am liebsten alles anfassen will, was liegt, steht und hängt, weil die Materialien und die Atmosphäre so sinnlich sind. Was sich dem Auge des Besuchers offenbarte, hatte ein bisschen was von Theater, von Kostümwerkstatt, von Hollywood: Man fühlt sich wie in einem verlassenen Boudoir einer Dame, die sich nicht entscheiden konnte, was sie zu den verschiedenen Anlässen des heutigen Tages anziehen sollte. Und zwar ausschließlich auf dem Kopf. Denn mit einem Hut von Fiona fühlt man sich erst richtig angezogen. Und fühlt sich so als Dame. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Fiona edle und interessante Materialien mit ihrem sicheren Gespür für Weiblichkeit und Eleganz paart und damit der jeweils von ihr Behüteten das Gefühl verschafft, sich besonders gut und schön zu fühlen. Im Laufe der Jahre hatte ich das große Glück und Vergnügen, dass ich mir Hüte von ihr habe anfertigen lassen können. Immer fühlte ich mich ganz besonders, weil mein Hut eben anders war als die Hüte der anderen Damen.
In der letzten Zeit habe ich nicht mehr soviel bei ihr gekauft. Das hängt damit zusammen, dass unsere Freunde inzwischen alle verheiratet sind – also keine Hochzeiten feiern – die meisten Kinder getauft sind, und ich leider nicht jedes Jahr in Ascot eingeladen bin (was nicht ist, kann ja noch werden!). Ergo sinkt der Bedarf an neuen Hüten.
Trotzdem verfolge ich natürlich mit großem Interesse die Karriere von Fiona und freue mich immer, wenn ich irgendwo etwas über sie lese oder von ihr sehe. Brad Pitt, der Achilles meiner heimlichen Träume, wurde durch seinen Hut von Fiona zum absoluten Gott!
Gott sei Dank hat sie erspürt, dass sie mit »Alltagskreationen« auch diejenigen erreichen kann, die nicht nur zu besonderen Anlässen gut behütet sein wollen. Und da unsere Winter – trotz der Unkenrufe über die globale Erwärmung – anscheinend immer härter und länger werden, erwärmt sie Köpfe (und Herzen) mit den Mützen aus ihrer neuesten KISS-Kollektion. Ich erinnere mich an die Zeit als Teenager, als ich – sobald ich die elterliche Haustür hinter mir gelassen hatte, als erstes die Mütze vom Kopf riss. Hätte es doch damals schon die Mützen von Fiona gegeben! Es wären mir viele Erkältungen und die damit verbundenen Diskussionen mit meiner Mutter erspart geblieben.
Die in Handarbeit gestrickten und gearbeiteten Mützen adeln jede verfrorene Nase, ohne dabei an Lässigkeit zu verlieren. Fiona schafft es einfach, die zeitlose Eleganz von legendären Filmstars ins Hier und Jetzt zu übertragen. Und sich in Folge hip, kultig und als Kosmopolit zu fühlen. Ob Mann oder Frau: Sie holt das Schönste aus uns raus!

Annabele von Oeynhausen-Sierstorpf adelt diese Rubrik wortwörtlich – schließlich ist sie eine waschechte Gräfin. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie das »Gräflicher Park Hotel & Spa« in Bad Driburg.

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1 Comment

    Wahnsinnig schönes Design. Ich finde grau ist ohnehin die wandlungsfähigste und avantgardistische Farbe der Saison. Das Zusammenspiel von rauer Wolle und feinem Filz ist hier wirklich gut gelungen.

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