Chilly & Gonzales

Weil Sie es nicht ironisch meinen, nach Ihrer Definition sind Sie es also selbst, und das Publikum weiß nicht mehr als Sie selbst.

Das ist richtig.

Dann sind Sie also unter vielem anderen selbst das Arschloch, das sich da andauernd besingt? [Uiuiui. Jetzt wird er etwas ungehalten, wenn auch nicht persönlich.]

Pass mal auf: Hast Du Dich noch nie von jemandem getrennt und hinterher gedacht, was Du doch für ein Arschloch bist?

Nö. Ja, doch, klar.

Dann weißt du auch, was das für ein Gefühl ist, und das Gefühl besinge ich eben. Es geht immer um vollkommen echte Dinge in meinen Stücken. Deshalb hat das Stück auch solch einen Erfolg gehabt, weil jeder das nachvollziehen kann.

Das ist ja das Problem mit der Figur Gonzales. Wenn Rufus Wainwright ein Stück über seine verstorbene Mutter schreibt, dann nehme ich ihm den Text hundertprozentig ab. Bei Ihnen weiß ich nicht, woran ich bin. Bei einem Bademantelträger muss man erst dahinter kommen, was echt ist und was nicht.

Natürlich ist das echt. Meine Show ist echt, meine Klamotten sind echt. Aber man muss eben was tun, um gehört zu werden. [Er ist leicht genervt. Und er ist nicht der einzige.]

Was hat die Welt davon, dass Sie sich für einen fiesen Typen halten, der auf fiese Art Schluss macht, ein Workaholic, ein Hans Dampf in allen Gassen, ein permanenter Online-Schachspieler, ein …

Ich mache das alles, weil es sonst keiner macht. Ich stehe im Guinness-Buch der Rekorde, und da ist in jeder Disziplin nun mal nur Platz für einen. Ich bin Weltrekordhalter im Dauerklavierspielen.

Apropos Konzert: Helge Schneider ist eigentlich ein brillanter Jazzmusiker und Multi-Instrumentalist, der aufgrund seiner Misserfolge Show eingebaut hat und als Komiker endete – als extrem erfolgreicher Komiker. Aber auch wenn er nur Musik machen will, verlangt das Publikum von ihm Blödsinn. Also lässt er die Musik sein und macht Quatsch. Wollen Sie das auch?

Ich bin als Kind in Kanada bei jedem Klavierwettbewerb Zweiter oder Dritter geworden. Nie Erster. Das wurde immer irgendein asiatisches Wunderkind, das den ganzen Tag und sein ganzes Leben vor dem Klavier verbringt. Schrecklich. Das kann es nicht sein, habe ich mir gedacht. Ich will nicht als Virtuose enden, der einfach nur seine Sachen herunterspielt auf der Bühne. Ich schreie im Unterschied zu anderen Musikern mein Ego heraus und mache merkwürdige Dinge, die Spaß bereiten. Deshalb stehe ich im Guinness Book of World Records. Echte Künstler wollen ein »new fucking universe« kreieren, da bin ich dabei.

Also jede Menge Selbstinszenierung?

Musik ist zu hundert Prozent Selbstinszenierung. Meine Musik ist nichts als meine Selbstaktualisierung. Künstler interessieren mich nicht. Sie zeigen nicht, was in ihnen vorgeht, das ist ihnen scheißegal. Mein Ego ist der Grund, warum ich in die Musik gegangen bin. Das Geheimnis ist, dass die meisten Künstler deswegen dabei sind, es ist nur etwas aus der Mode gekommen, es zuzugeben. Stattdessen faselt man etwas von großer Kunst. Ich möchte da persönlicher, positiver, unterhaltender sein. Das bin ich immer selbst, nur total übertrieben. Ich könnte aber nicht als Cowboy auf die Bühne gehen, weil ich mit dem Cowboy-Image nichts anfangen kann. Ich komme lieber so auf die Bühne, wie ich am liebsten auch zuhause herumlaufe: in Bademantel und Pantoffeln. Das ist für mich kein Kostüm.

Welche Bühne ist also die Ihre: Konzert oder Comedy?

Ich lege mich da nicht fest! Helge und ich haben uns die tollsten musikalischen Sachen geliefert – wir haben wirklich buchstäblich gegeneinander gespielt. Wenn ich auf dem Piano eine Figur begonnen habe, kam er garantiert mit etwas, das dazu nicht passte. Und dazu haben wir noch komische Klamotten an, und die Leute lieben es. Aber wenn ich auf der Bühne agiere, tue ich nur, wonach ich mich hundertprozentig fühle. Wir sind offenbar unglaublich bekloppt, aber wir müssen uns darin wohl fühlen. Als ich anfing, habe ich mich als musical genius bezeichnet. Ich glaube, das war der beste Marketing- Trick, den ich je drauf hatte.

Eine Frage bleibt offen. Die Frage, welchen Nutzen drei Eier haben. Vor den Folgen habe ich Angst. Und danke für das Gespräch. Den Rest hätten wir geklärt. Auf dass Gonzales, brillanter Musiker und Entertainer, sich nicht auf den Bühnen der Welt verrennt. Die neue CD Ivory Tower (Gentle Threat) wurde von Boys Noize produziert und ist am 20.08. erschienen.

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1 Comment

    Wat für eine Pfeife hat denn dieses Interview geführt?
    Da bringt es auch Nichts seinen Namen nicht anzuführen!

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