Ein unerwarteter Zug
Vielleicht lag es ja am Überdruss der Modewelt an sich selbst. Urplötzlich galten Nerds als modisch kompetent. Hochpreisige Marken zelebrierten den Physik-Studenten-Look mit Hornbrille, Hochwasser- Hosen und Accessoires, denen man bis dato jeglichen modischen Appeal abgesprochen hatte. Und nun das: Das holländische Label G-Star setzt sich konsequent über gängige Model-Stereotypen hinweg – und arbeitet in seiner aktuellen Herbstkampagne mit einem Testimonial, das lieber seinen IQ erweitert als seine Garderobe.
Der Norweger Magnus Carlsen (19) führt seit Jahresbeginn die Rangliste des Weltschachverbands FIDE an – als jüngster Spieler, der jemals diese Position besetzte. Mit 13 schon wurde er Großmeister, die New York Times gab ihm den Beinamen »Mozart des Schach«. Ein Hochbegabter also, der unter Mode bisher nicht viel mehr als das Wechseln seiner Socken verstand. Wie er sich in dieser für ihn neuen Welt zurechtfindet, erzählt der introvertierte junge Mann im exklusiven QVEST-Interview, von dem wir hier einen Auszug präsentieren. Das gesamte Interview – welches Carlsen übrigens ebenso durchdacht wie ein Schach-Match bestreitet – lesen Sie in der aktuellen QVEST.
Wer nicht nur mehr über den hochbegabten Norweger erfahren, sondern tatsächlich gegen ihn antreten will, hat in Kürze die Chance dazu. Am 10. September veranstaltet G-Star die RAW World Chess Challenge. Bei diesem weltweiten Wettkampf kann sich buchstäblich jeder Schachspieler mit Carlsen messen. Live im Internet werden dafür drei Großmeister des Schachs – Maxim Vachier Lagrave aus Frankreich, Hikaru Nakamura aus den USA und Judit Polgár aus Ungarn – jeweils einen Schachzug vorschlagen, aus dem alle Teilnehmer dann online das nächste Manöver gegen Magnus auswählen.
Um für Carlsen die Daumen zu drücken, wird auch Liv Tyler als weitere Patin des Labels bei dem Event in New York zugegen sein.
Anmeldung zur Teilnahme über g-star.com/rawchess

QVEST: Magnus, Sie sind nicht nur der weltbeste Schachspieler, sondern auch dererste modelnde Schach-Profi. Worin liegt der markanteste Unterschied zwischen beiden Aufgaben?
Magnus Carlsen : Es gibt etwas, das mir am Modeln besonders gut gefällt: Nämlich, dass ich dabei gedanklich in meiner eigenen Welt sein – und trotzdem den Job machen kann. Während ich den Anordnungen fürs Posieren folge, kann ich an etwas völlig anderes denken. Was beim Schach definitiv nicht geht: Man muss sich mit all seiner Gedankenkraft auf den aktuellen Zug konzentrieren und darf sich innerlich niemals vom Spiel lösen.
Eine Gemeinsamkeit könnten die unendlichen Kombinationsmöglichkeiten sein …
Absolut. Die Schönheit von Schach liegt darin, dass seine Möglichkeiten niemals erschöpft sein werden. Es gibt immer wieder neue Optionen. Und das gilt natürlich auch für andere Bereiche – also auch für die Mode.
Wie kam es zu der Kooperation mit G-Star?
Im Januar spielte ich in einer Schachmeisterschaft in Holland, wo mich der G-Star-CEO Jos van Tilburg dann zufällig im Fernsehen sah. Ich hatte gerade den ersten Platz der Weltrangliste erobert – und Jos befand, dass ein Model aus der Schachwelt etwas sehr Ungewöhnliches und Neues sein könnte.
Wie war Ihre Reaktion auf das Angebot?
Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob das ernst gemeint war. Als sich das Ganze als real entpuppte, war ich sehr aufgeregt. Ein solches Angebot ist ja in der Schachwelt nicht gerade üblich …
Fühlten Sie sich vor der Kamera wohl?
Das war natürlich alles sehr ungewohnt für mich. Nach einiger Zeit fühlte sich das Posieren aber ganz normal an. Und Liv Tyler, die mit mir im ersten Shoot vor der Kamera stand, ist nun mal ein echter Profi. Sie hat mir sehr geholfen.
