Hannover

Ich war noch nie in Hannover. Sagt mir auch nicht viel, hat es noch nie. Insofern wird Nachfolgendes schon zwangsläufig unsachlich und völlig subjektiv sein, weil ich ja zumindest anstandshalber einmal hätte Hannover bereisen können (journalistischer Mindestanspruch!), bevor ich über Hannover schreibe. Zu spät. Ich kann nicht genau sagen, wann es begonnen hat, überhand zu nehmen. Das mit Hannover. Plötzlich, quasi aus dem Nichts, ist Hannover voll da. Egal, von wem man gerade hört, über wen man liest – jeder kommt aus Hannover, als gäbe es dort im Süden der Stadt eine Manufaktur, wo hinter Nato-Draht und unter Aufsicht handelsüblicher Medienprofis- und -berater, Werbeagentur-Heinis sowie mindestens Kampftauchern des SEK Niedersachsen, neue Lieblinge der Nation industriell gefertigt würden. Nehmen wir einmal den unvermeidlichen Oliver Pocher, zunächst jahrelang unterschätzt (wie Hannover) – dann urplötzlich maßlos überschätzt (wie Berlin). Das ging ja noch und war insofern o.k., dass ja aus jeder noch so verkannten Landeshauptstadt der Republik der guten Ordnung halber mindestens 1 bis 2 A-Promis kommen sollten, so wie Campino und Claudia Schiffer aus Düsseldorf, Fanta 4 aus Stuttgart oder John McEnroe aus Wiesbaden (ja, wirklich!). Das ist auch nur gerecht, und deshalb sollten die dann bitte schön auch permanent drüber reden, was sie ja zum Glück zumeist auch tun, und was natürlich auch total sympathisch ist. Total sympathisch war auch die erste deutsche Bischöfin Margot Käßmann und ist es sicherlich auch heute noch – nur jetzt eben in einer anderen Rolle – und sie hat sich für ihren völlig säkularen Fehltritt ihre Heimatstadt Hannover ausgesucht, klar. Dann natürlich die Scorpions, die unvermeidlichen Profi-Hannoveraner, gerade auf (Welt-)Abschiedstournee, was einem dank gefühlten Millionen TV-Trailern auf Werbeleerplätzen seit Wochen in die Birne geprügelt wird. Hannover 96 ist aktuell auch auf großer Abschiedstournee, allerdings nicht unbedingt gleich von der Welt, sondern erst mal aus der 1. Fußballbundesliga, Tourneedaten analog Restprogramm (siehe www.kicker.de). Früher gab’s noch die lustigen Fury in the Slaughterhouse, also der Bandname war das zumindest, aber die hört heute wohl keiner mehr, so wie keiner mehr Tetris spielt oder Wallpaper liest. Und jetzt eben Lena. Ein Traum von einem Mädchen. Früher, bevor man Kinder ›Leon‹ und ›Zoe‹ nannte, hießen solche Mädchen Julia und schrieben sich im Bus (im Schneidersitz mühelos auf dem Boden hockend) mit der blauen Seite des Tintenkillers ihre Lieblingsbandnamen auf die Jeans oder auf ihre speckige Bree- Ledertasche (Papas Uni- Tasche aus den frühen 70ern) – und das in der Originaltypo!!! Das fand man damals irgendwo zwischen ungeheuer frech und einfach nur hinreißend. Und Julias toll. Und jetzt heißen die wohl ›Lena‹. Wenn ich noch mal auf die Welt kommen dürfte, wäre ich gerne 18, wohnte in Hannover und würde den gleichen Bus wie Lena nehmen. Ach Hannover, Du bist zu beneiden, ich komme dann mal. Bald.

Oliver Janik wohnt nur circa 250 km von Hannover entfernt – in einer kleinen, beschaulichen Stadt namens Berlin. Dort ist er als Geschäftsführer der DDB Entertainment tätig, einem Unternehmen für Entertainment Marketing.


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3 Comments

    Mir als Hannoveraner ist der Artikel sogar irgendwie sympathisch… dafür, dass er aus der Feder eines Berliners kommt. ;-)

    Mit einer Ausnahme: was die ‘Abschiedstour’ von Hannover 96 angeht, gilt für Hauptstädter (inzwischen nachgewiesenermaßen): Wer im Glashaus sitzt…

  • [...] Hannover | QVEST [...]

  • …und BREE kommt übrigens auch noch aus Hannover ;-)

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