Das DFe AP 322 der Deutschen Post

7 Tage und 7 Nächte musste ich warten, bis es wieder mit mir sprach, mein DFe AP 322. Es meldete sich zurück mit seinem unverkennbaren, leicht rasselnden Summen. Endlich, endlich! Mein Mickey Mouse Telefon hat die Verbindung zur Außenwelt wieder aufgenommen. Die Umsiedelung in eine neue Wohnung scheint es nicht verschreckt oder gar paralysiert zu haben. Unverändert lächelnd streckt es mir den gelben Hörer in seiner behandschuhten Hand entgegen. Schließlich hat es schon einiges hinter sich. Immerhin stammt es aus einer Zeit, als das Telefon noch Fernsprechapparat (Fe Ap) hieß und normalerweise nur in den (Un)Farben kieselgrau, ockergelb oder farngrün in Erscheinung trat. Ein solches Exemplar – für alle, die diese Epoche verdrängt oder nicht miterlebt haben – mietete(!) man sich bei der Deutschen Post. Selbige warb in den frühen achtziger Jahren mit dem neuen Designfernsprechapparat (DFe) Nummer 322 für mehr Telefonspaß. Alois Zettler baute im Auftrag des Logistikunternehmens die kleine Maus auf dem rot-braunen plastikholzfurnierten Podest getreu dem Modell der American Telecommunications Corporation aus dem Jahre 1976 – und holte somit Mickey aus El Monte/ Kalifornien zu uns nach Bayern. Leider gelang es mir damals nicht, meine Eltern von der absoluten Notwendigkeit dieses Telefonfreunds zu überzeugen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als Mickey gelegentlich bei einer Kindergartenfreundin ausgiebig zu bewundern und auf meine erste eigene Wohnung zu warten. Seit diesem epochalen Moment der eigenen Studentenbude sind wir unzertrennlich. Im Gegenzug zu iPhones, Blackberries und sonstigen neuzeitlichen Geräten beherrscht das Mickey Mouse Telefon nach wie vor nur eine einzige Funktion: Es kann telefonieren. Es sendet weder Nachrichten, noch empfängt es welche. Digitale Fotos kennt es nicht, hat noch nie vom Internet gehört und verfügt über keinen Adressspeicher. Und genau das macht es zu so einem angenehmen Weggefährten.
Susanne Stehle liebt nicht nur ihr Mickey Mouse Telefon, sondern auch die Oper. Dort, genauer gesagt an der Bayerischen Staatsoper in München, arbeitet sie als Produktionsleiterin beim Kostüm.