Bewegend: MV Agusta Brutale 990R

Das Konzept einer Stilikone wird häufig auf Objekte projiziert, die eine Haltbarkeit von ein paar Wochen haben. Dies gilt auch für Motorräder. Es gibt nur wenige Geräte, die 10 Jahre nach ihrer Einführung immer noch genauso aussehen. Kameras, Handys, Computer und Autos sehen ungefähr ein Jahr lang innovativ aus (wenn sie Glück haben). Ausnahmen sind z.B. der Porsche 911 und die MV Augusta Brutale. Die sind wirkliche Kultobjekte. Die neue Brutale besteht zu 85% aus neuen Teilen, aber sogar das Auge des Fachmanns hat es schwer, sie von der alten zu unterscheiden, und keiner beschwert sich. Es ist nicht so, dass sie jeder schön findet – das ist nicht der Fall. Die Brutale ist nicht schnittig, sondern eckig und es gibt einige unschickliche Kurven, aber jeder, der nahe genug herankommt, sieht die aufwendig gefertigten Legierungen, die noblen Schweißnähte, die strukturelle Stärke der Konstruktion, die rohe Kraft und eine klare Identität vermuten lassen – es ist, was es ist, und eine Glättung würde ihren Charakter zerstören. Fügt man diese muskulöse Brutalität zu MVs beispiellos glamouröser Renngeschichte – die schwarz-weiß Fotos von Weltmeister Giacomo Agostini rittlings auf einer MV in den 60er Jahren sehen aus wie eine Foto-Session mit männlichem Supermodel und Starfotografen – und dann geht es nicht mehr nur um ein bloßes Motorrad, sondern man befindet sich in der Welt der Legenden und Archetypen. Oh, und ich hätte es fast vergessen: mit 180 kg bei leerem Tank und 39 PS geht sie ab wie eine Katze auf dem heißen Blechdach.

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