die Crystallized Ancle Boots von Acne

Nach einem Jahrzehnt in der Modeindustrie kristallisiert sich tatsächlich so etwas wie ein Muster in meinem Kleidungsstil heraus. Es wäre übertrieben, von einem festen Kanon zu sprechen, aber meine Vorlieben lassen sich wahrscheinlich auf fünf Punkte bringen.
1. Für mich ist Mode keine Hexerei. Es geht um Sexappeal. Das heißt, ich lasse schon mal ein, zwei Knopflöcher mehr an meinem Hemd offen. Egal, ob freitagabends bei einem Essen mit Freunden oder Montag morgen im Büro. Kann eine Woche besser anfangen als mit einem Blick auf nackte Haut?
2. Eingeladen? Bloß nichts Neues kaufen! Ich halte überhaupt nichts davon, vor einer Hochzeit, vor Silvester oder anderen besonderen Gelegenheiten auf Shopping- Tour zu gehen. Gut angezogen ist man, wenn man sich wohl fühlt in den Sachen, die man trägt, und da geht nichts über die altbewährten Lieblingsstücke im eigenen Kleiderschrank. Außerdem läuft man so auch nicht Gefahr, dasselbe anzuhaben wie die Fashion Victims. Bei meiner letzten formellen Einladung habe ich ausgefranste Jeans mit einem alten Smoking getragen und dazu meine geliebten Nietenschuhe aus der Herbstkollektion 2009 – und hätte mich nicht besser fühlen können!
Johnny Johansson, der Gründer und Creative Director von ACNE und meiner Ansicht nach einer der ganz großen Ideengeber in der Modewelt, hält Schuhe für das wichtigste Accessoire. Bei den Kollektionen lässt sich mit Schuhen ein Look total verändern. Und dasselbe gilt, wie ich finde, auch jenseits des Laufstegs. Mit Lackschuhen sieht man auch in den abgetragensten Klamotten noch elegant aus, und ein Paar abgelatschte Converse machen einen schicken Anzug alltagstauglich. Ich sehe auch keinen Grund, warum ich nur in ganz flachen Schuhen mit meiner Tochter auf den Spielplatz gehen sollte. Wenn Männer doch bloß genauso viele Schuhe kaufen würden wie Frauen, dann wäre die (Mode) Welt noch viel interessanter!
Mode sollte uns Energie geben, nicht rauben! Man sollte niemals etwas tragen, was einem Kraft nimmt, sobald man es morgens angezogen hat. In unseren Kleiderschrank gehören nur Sachen, die uns nicht überfordern und uns mehr Power geben. Powerdressing ist ideal, denn es gibt uns mehr Energie und Selbstvertrauen. Meine Sachen sind fast alle grau, weiß oder blau, also eher klassisch. Auf die Kombination kommt es dann an!
5. Ein großes Thema ist der Kontrast von Weiblichkeit und Männlichkeit. Das ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt meines Stils, die Melange aus Mars und Venus. Eine feminine Note, richtig dosiert, wäre doch für die recht konservative Herrenmode sehr belebend. In meiner Welt kann das ein Silberarmband sein, ein Herren- Halbstiefel mit höherem Absatz oder Swarovski-Kristalle am Kragen eines Doppelreihers – von Männern wünsche ich mir mehr Mut zur Weiblichkeit! In der kommenden Saison gibt es ein Produkt von uns, das diesem Aspekt Rechnung trägt und mal ganz anders daherkommt: der klassische ACNE-Wüstenschuh, wie ein Mokassin geschnitten und mit ein paar Kristallen versetzt – maskulin mit einem femininen Touch!
Martin Gjesing ist General Manager des schwedischen Modekonzerns ACNE.