THE LA BREA MATRIX
»Am Anfang war das Bild.«
So könnte man die Wurzel eines ungewöhnlichen Fotoprojekts beschreiben, dass gleichermaßen praxisbetont und pragmatisch sowie komplex und schwer zuzuordnen erscheint. In den enthusiastischen Ausführungen der Initiatoren spürt man sehr deutlich: Es ist spannend, es ist etwas Großes, etwas Außergewöhnliches, was da bereits passiert – und noch passieren soll. Es gibt keine Schublade, in die es passen möchte, kein bekanntes Raster, das darüber gelegt werden kann. Sowohl Raum und Zeit sind sehr weitläufig und flexibel in das Gesamtkonzept integriert. Objektiv kann die geplante Unternehmung schlichtweg als »sehr ambitioniert« bewertet werden.
Der Startpunkt ist Los Angeles im Jahr 1975, als der damals 28-Jährige amerikanische Photograph Stephen Shore seine Tankstellen-Aufnahme »La Brea« macht (die Tankstelle befand sich Ecke Beverly Boulevard/La Brea Avenue) und damit Fotogeschichte schreibt.
Rund 35 Jahre später begeistert der Fotobuchhändler und Verleger Markus Schaden sechs Deutsche Fotografen dafür, diese Aufnahme gezielt als Basis und Inspirationsquelle für eigene Arbeiten zu verwenden.
Im Rahmen eines umfangreichen Artist-in-Residence-Programms am Geburtsort der Basisposition, in Los Angeles, suchen sie in einem Zeitraum, der aktuell bis ca. 2012 definiert ist, nach fotografischen Referenzen und schaffen damit eine Hommage an die Ikone der »New Contemporary Color Photography«, einer Arbeit, welche die Farbfotografie in ihrer Durchsetzung zur Kunstform maßgeblich unterstützt hat. Stephen Shore selbst ist dabei kein stiller Beobachter, er beteiligt sich aktiv am Projekt und hat sich bereits zu gemeinsamen Workshops, die vom Goethe Institut unterstützt werden sollen, bereit erklärt. Ein sehr willkommener transatlantischer Brückenschlag für die Fotografie.

Stephen Shore photographed by Albrecht Fuchs
