Im Rausch der Verwandlung
Die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner über die Macht der Mode, Mütter als Fashion-Consultants und Männer in Jeans.
styling CHRISTIAN STEMMLER
hair ENZO LAERA
makeup TOM STROHMETZ using MAC
black jacket & skirt by LOUIS VUITTON
black tights by FALKE
gallery ARNDT & PARTNER
Yorca Schmidt-Junker traf Nora Tschirner zum Interview in der Berliner Galerie „Arndt & Partner“, wo Teile des exklusiven QVEST-Shootings entstanden. Der Berliner Fotograf Per Zennström inszenierte die Schauspielerin in ausgewählten Kreationen der aktuellen Louis-Vuitton-Kollektion.
QVEST: Beim Anblick der Fotos werden viele denken: Was, das ist Nora Tschirner?
Nora Tschirner: Toll, oder? Das mag ich an einem Fashion-Shooting: Dass man hemmungslos rumspacken und experimentieren kann. Ich liebe diesen Rausch der Verwandlung mit Perücken, exzentrischem Make-up und ausgefallenen Designerkreationen. Modeln macht mir Spaß.
Dabei haben Sie zum ersten Mal mit dem Fotografen Per Zennström gearbeitet.
Auf Fashion-Shootings arbeite ich lieber mit Leuten, die ich noch nicht kenne, weil man dann unverstellt und divers arbeiten kann. So vermeidet man, sich zu wiederholen. Die Arbeit mit Per war großartig, er war sehr entspannt und unaufgeregt, was ja bei Fotografen nicht immer der Fall ist. Zudem ist sein Jargon sehr drollig: Sein Lieblingsausdruck war „attitude“, herrlich Nineties-mäßig. Sowas begeistert mich als passionierte Germany’s-Next-Topmodel-Guckerin schon.
Sie sind in der damaligen DDR aufgewachsen. Spielte Mode bereits in Ihrer Kindheit eine Rolle, gerade wegen oder trotz dieses Hintergrunds?
Der DDR-Background war mir als Kind nicht wirklich bewusst, dafür war ich einfach noch zu klein. Wie viele Mädchen, egal ob sie in der DDR, in West-Deutschland oder sonst wo groß werden, wollte ich schöne Kleider anhaben. Meine Mutter teilte diesen modischen Anspruch glücklicherweise. Leider waren die Möglichkeiten in der DDR ja doch ein wenig eingeschränkt. Also musste sie viel improvisieren, was zur Folge hatte, dass sie für mich tolle Sachen nähte, die mit viel Liebe und Blick fürs Detail entstanden. Zu meiner Einschulung kreierte sie ein türkisfarbenes Ensemble mit irgendwelchen schwarzen Grafikdingern – wirklich groß! Würde ich heute noch anziehen.
Die Mutter also als Designerin und Stylistin der ersten Stunde …?
Kann man so sagen, aber sie war nie eine hysterische Fashion-Mutti, sondern eher eine liebevolle Gestalterin und Beraterin. Dabei hatte sie immer einen extrem guten Blick für Farben, wusste intuitiv, was mir steht und was eher nicht. Obwohl sie ganz selten auch mal falsch lag. Zum Beispiel lebte ich jahrelang in der Illusion, Dunkelblau stünde mir nicht. Leider eine meiner Lieblingsfarben. Und Gold mochte sie auch nicht – da musste ich mich dann später ein wenig emanzipieren. Aber alles in allem traf sie meinen Geschmack nahezu immer. Noch heute schenkt sie mir manchmal Klamotten – und die werden dann zu meinen liebsten Basics.
