die arkkitehti bag von Marimekko

Ist ja schon gut, ich weiß: Alles, was nach Kuriertasche zum Umhängen aussieht – möglicherweise auch noch quer über der Brust getragen – wurde schon längst von den Mode- Redakteuren dieser Welt als No-Gos auf die Abschussliste der modischen Todsünden manövriert. Zusammen mit Labber-Baumwollschals von American Apparel, Wochenendreisen nach Lissabon und Rucola-Pesto. Angesagt sind seit ein paar Jahren eher schwere Ledertaschen mit kurzen Henkeln, die von der Größe her auch für Wochenendreisen nach Lissabon geeignet wären, am besten von Prada, Gucci oder Louis Vuitton. Der modische Mann trägt sie halb leer, mit nach unten ausgestrecktem Arm, in der rechten Hand; die linke bleibt für die gelegentliche Präsentation von iPhones, Kreditkarten und Frozen Cappuccino-Bechern frei. So weit, so bekannt. Zeit zu rebellieren also, denn nicht jeder Mann möchte wie Mary Poppins auf dem Weg zu ihrem nächsten Vorstellungsgespräch aussehen. Hierfür kommt der alte Trick zum Einsatz: Mit Klassikern kann man nichts falsch machen, auch wenn man sie sich umhängen kann. Die Arkkitehti-Bag von Marimekko wurde 1980 in Finnland von Risto-Matti Ratia entworfen, sie ist aus robustem Segeltuch gefertigt und wird zum Glück noch immer hergestellt. Man darf sie auch, obwohl die Tasche so heißt, als Nicht-Architekt benutzen. Innen ist sie sehr geräumig, sogar ein Aktenordner kann problemlos darin transportiert werden. In verschiedenen Außentaschen lässt sich, zur großen Freude von Taschendieben, von der Tageszeitung bis zum Mobiltelefon alles übersichtlich unterbringen. Und wenn einmal in Lissabon Rucola-Pesto über die Tasche tropft, steckt man sie einfach in die Waschmaschine (auf Portugiesisch ›máquina de lavar roupa‹) und wäscht sie. Meine letzte Arkkitehti- Bag hielt zehn Jahre und hatte außerdem noch folgende drei Vorteile: Man kann sie sich umhängen, man kann sie sich umhängen und man kann sie sich umhängen.
STEPHAN HERCZEG begeistert sich in diesem Heft neben seiner geliebten Umhängetasche für die Phenomenal Handclap Band.
