das Seiden- und Spitzenkleid von Stella McCartney

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In vielerlei Hinsicht besteht unser Leben aus dem Zusammenspiel von Gegensätzen: Sommer und Winter, Ebbe und Flut, Licht und Schatten … Sie alle profitieren von ihrem Gegenüber, sie alle entfalten die Fülle ihres Charakters erst durch das Wissen um die Existenz des anderen.

In der Welt der Mode funktioniert dieses Prinzip genauso einleuchtend wie in der Natur. Zarte Stoffe erreichen ihr volles Ausmaß an Leichtigkeit erst in Kombination mit etwas Grobem, etwas Schwerem. Das ist auch der Grund, warum wir es als Frauen lieben, uns die zu großen Hemden unseres Freundes überzuwerfen. Plötzlich fühlen wir uns zierlicher als zuvor, auf angenehme Art und Weise verletzlich. Seine rutschenden Jeans an unseren Hüften potenzieren unsere Weiblichkeit.

Stella McCartney hat dieses Kontrastprogramm verstanden und umgesetzt. In ihrer Herbst-/Winterkollektion 2009/2010 ist ihr eine wunderschöne Symbiose aus aufwendigen filigranen Designs und schnörkellosen, gerade geschnittenen Entwürfen gelungen. In einem Interview erklärte die Designerin einmal, dass ihr Kreationen, die allein blumig und weiblich sind, nicht gefielen – damit sie interessant würden, müssten sie von etwas Hartem, etwas Maskulinem gebrochen werden. Die Anziehungskraft ihrer Entwürfe entsteht genau da: im Spannungsfeld zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit.

Das schwarze Kleid aus Seide und Spitze, hochgeschlossen und von der Taille blütenblätterartig hinabfallend, ist mein Favorit der Kollektion. Auch wenn es an sich zur femininen Seite ihrer Designs tendiert, repräsentiert es für mich doch auch das Ganze: im Spiel der Kontraste – aus Ver- und Enthüllung, aus blickdichter Seide und durchsichtiger Spitze.

Das Verblüffende: auch wenn in diesem Kleid wenig der Phantasie überlassen wird, fühlt man sich darin sehr angezogen, keineswegs entblößt, aber sinnlich und unaufdringlich weiblich – besonders wenn man es mit einem übergroßen Herrenjackett kombiniert …

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