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Joop!-Kreativchef Dirk Schönberger über Mode in der Krise, Berlin als Mode-Standort und seine Pläne für eine eigene Kollektion.

Qvest: Herr Schönberger, Max Frisch sagte einmal: »Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen«. Stimmen Sie zu?

Dirk Schönberger: Ja, ich sehe das ganz genau so.

Was macht Sie so optimistisch?

Die Deutschen.

Ausgerechnet? Wir sind doch nicht für Zuversichtlichkeit bekannt …

Die Umsatzzahlen sehen zwar nicht wahnsinnig toll aus, aber auch nicht so dramatisch wie befürchtet. Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen die Krise zum ersten Mal nicht als Katastrophe sehen – sie shoppen sie einfach weg. Viele greifen jetzt genau nach dem Stück, das sie unbedingt haben wollen und sehen die Mode nicht als Gebrauchsgegenstand.

Wie sieht dieser Krisen-Look aus?

Die Stücke sind im Moment etwas opulenter. Und wenn sie schlichter aussehen, dann sind sie immer etwas spezieller ausgearbeitet. Auch in der Krise geht man nicht ausschließlich in Sack und Asche und trägt nur noch schwarz. Ich höre ganz oft, dass die Leute jetzt nur noch Stücke kaufen, die sie so geil finden, dass es ihnen ganz egal ist, wie teuer sie sind. Sie werden dadurch einfach glücklicher. Mode ist das Prozac gegen die Krise.

Für viele Mode-Firmen kommen die Glückspillen zu spät. Christian Lacroix ist sogar pleite …

Lacroix hat nie wirklich Gewinn gemacht. Und dann ist eben irgendwann Schluss, Finanzkrise hin oder her. Da sind vorher schon Fehler gemacht worden. Wer jetzt überleben will, darf nicht ängstlich taktieren. Bei Chanel zum Beispiel boomt es immer noch – die profitieren von der Krise. Irgendwo müssen die Kundinnen ja hin (lacht).

Etwa auch zu Joop?

Wir sind zumindest stabil. Wir haben viele Einschnitte schon vor der Krise hinter uns gebracht. Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn die Krise ein Jahr später gekommen wäre. Dann wären wir wirklich mit der Unstrukturierung der Marke fertig gewesen. Aber ich denke, wenn wir jetzt durchhalten, dann werden wir sehr gut da stehen.

Wie haben Sie den Joop –Stil verändert?

Joop hatte nach dem Weggang von Wolfgang ständig wechselnde Kreativ-Chefs und Art Direktoren. Als ich hierher kam, war alles ein wenig durcheinander. Deshalb habe ich zunächst mal geschaut: Was ist eigentlich die Heritage von Joop? Wofür steht die Marke?

Ihre Antwort?

Eigentlich immer Wolfgang Joop selbst.

Und wie nehmen Sie ihn wahr?

Als sehr widersprüchlich. Auf der einen Seite ist er sehr extrovertiert, auf der anderen ein eher zurückhaltender Intellektueller. Dann wiederum spielt das Sexuelle eine sehr große Rolle. Gleichzeitig ist er auch sehr deutsch.

Und worauf wollen Sie die Marke künftig konzentrieren?

Man kann es auf zwei Worte reduzieren: German Sex.

Was verbinden Sie damit?

Zum einen das, was man deutschen Marken gerne nachsagt: Qualität und Intelligenz.
Andererseits kann Joop diesen Sexfaktor spielen, wie sonst keine andere deutsche Marke. Das hat etwas Italienisches, ist aber nicht so vulgär. Oder auch etwas Französisches.

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»Die Deutschen shoppen die Krise einfach weg.«

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