Die literatenschuhe von Perla Zayek

Meine Schuhe von Perla Zayek sind nicht nur geschnürt, sondern auch eng mit der Literatur verbunden. Und das kann ich erklären. Im Dezember 2006 fand mein erster »Literatursalon« statt, mittlerweile eine kleine, aber feste Institution in Köln, über die schon überregional berichtet wurde. Das Konzept: Angehende und bekannte Literaten lesen bei mir im Wohnzimmer (und werden anschließend – sofern sie es noch nicht sind – berühmt). Und wie es sich für ein Wohnzimmer gehört, alles unter Freunden des Hauses, auf persönliche Einladung, am besten noch Klappstühle mitbringen. Ein Salon eben.
Ich wollte aber auf meine Schuhe zu sprechen kommen. Am Tag vor meiner ersten Veranstaltung hatte ich das dringende Bedürfnis, dazu ein paar neue Schuhe zu tragen. Ich fuhr in die Stadt und fand diese wunderbaren Schuhe bei Perla Zayek. Sie sind schwarz, vorne rund, haben einen sehr hohen Absatz, und über dem Spann sind sie geschnürt. Es passiert also eine ganze Menge für einen Schuh. Was ihn für mich besonders ansprechend machte, war auch der Gedanke, dass Dorothy Parker solche Schuhe getragen haben könnte, als sie im Algonquin Hotel am Round Table in New York ihre berühmt-berüchtigten Literatenabende veranstaltete. Seitdem habe ich sie bei jedem ›Literatursalon‹-Abend getragen. Was ihnen die Bezeichnung ›Literatenschuhe‹ eingebracht hat.
Schon oft bin ich von meinen Gästen auf die Schuhe angesprochen worden. Den meisten haben sie gefallen, nur Richard David Precht nicht. Precht konnte sie überhaupt nicht leiden und hat sich einen ganzen Abend lang aufgeregt. Er war der Meinung, dass solche Pseudo-Mädchenschuhe mit geschnürten Absätzen pervers seien, sie etwas von den Schuhen einer Nonnenschülerin hätten, andererseits aber trotzdem dieser hohe Absatz. Wenn schon, dann sollten Frauen Erotik offensiv an den Tag legen und nicht mit so einer »Internatserotik«. Diese Schuhe bieten also ausreichend Stoff für Diskussionen. Literatenschuhe eben. Und jetzt raten Sie mal, welche Schuhe ich beim nächsten Literatursalon tragen werde.
CLAUDINE ENGESER hat dieses Heft um wert- und gehaltvolle Geschichten bereichert. Wie das Interview mit Helen Levitt, das letzte, das mit ihr geführt wurde.
