Die graue ü-jacke von A.P.C .

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“Ich heiße Octave und kaufe meine Klamotten bei A.P.C.« So beginnt das zweite Kapitel und die erste Sequenz der Verfilmung von Frédéric Beigbeders Bestseller »99 Francs« (Deutsch: »39,90«). Ob diese Tatsache für oder gegen das französische Label spricht, muss jeder selbst entscheiden. Ich jedenfalls habe mich nie für eine Dominanz dieser Marke in meiner Garderobe entschieden, vielmehr hat sie sich diese Rolle selbst zugewiesen. Benötige ich ein neues Kleidungsstück, wird mir garantiert wie von Geisterhand ein meine Ansprüche erfüllendes Teil von A.P.C. in die Hände gespielt. Und auch in diesem Jahr hat mich das 1987 gegründet Label von einem qualvollen Kleidungsproblem befreit. Mindestens zwei Jahre befand ich mich schon auf der Suche. Es sollte eine Jacke sein. Eine, die sowohl im Frühjahr als auch im Herbst, in weniger lauen Sommernächten genau wie an sonnigen Wintertagen universell einsetzbar ist. Nicht zu dick sollte sie sein, aber auch nicht zu dünn.Weder zu klassisch noch zu modisch. Der Fachhandel hat für diese Art Kleidungsstück den pragmatischen Terminus »Übergangsjacke« entwickelt. Um der wenig eleganten Vokabel eine neue Aura zu verleihen, erfand ich das Wort »Ü-Jacke« und nervte fortan jeden meiner Bekannten nicht nur mit diesem entfernt an O-Saft erinnernden Semi-Akronym, sondern auch mit der Frage nach der Empfehlung eines geeigneten Teils. Nichts ist bekanntlich einfacher, als einen Wintermantel zu kaufen. Aber eine wirklich schöne, nicht mit der globalisierten Einheitsästhetik konform gehende Ü-Jacke ist so schwierig zu finden wie Wasser in der Wüste. Die Möglichkeiten des Fachhandels erschöpfen sich schnell: Jeansjacke (out), Sakko (nicht leger genug), Hoodie (zu leger). Und das war’s, sieht man von ein paar recht unattraktiven, regenabweisenden Plastikblazern ab. Ich hatte mich schon an den Gedankengewöhnt: Die Ü-Jacke existiert nur in meiner Fantasie, aber nicht in den Boutiquen meiner Stadt. Bis ich im Sommer diese wunderbare Jacke von A.P.C. entdeckte. Ihr leuchtendes Grau fällt auf, ohne zu nerven. Ihre beiden großen Fronttaschen entlasten meine Hosentaschen, ohne auszubeulen. Ihre riesige Kapuze wirkt extravagant, aber nicht berufsjugendlich – und ist per Druckknopf abnehmbar. Dass sie aus glatter Baumwolle statt aus Sweatshirt-Stoff besteht, macht sie über alle handelsüblichen Hoodies erhaben. Inzwischen verlasse ich das Haus sommers wie winters nicht ohne meine Ü-Jacke. Ohne sie fahre ich weder U-Bahn noch S-Bahn, und sollte ich eines Tages in U-Haft kommen, werde ich sie selbst dann anbehalten. A.P.C. steht übrigens für Atelier de Production et de Création. Ich könnte sie also auch A.P.C.-Jacke nennen.

Michael Prenner lebt in München, wo er sowohl als Autor für die Medienbranche arbeitet als auch seine Kleidung kauft.

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