Das fixed gear-bike von Cycles for Heroes

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Es gibt Menschen, die Ihnen den Rat geben, eine Sicherheitskopie zu machen, wenn gerade Ihr Rechner abgestürzt ist. Die alles schon wissen, wenn Sie mal ein Thema anschneiden wie, sagen wir mal, Fixed-Gear-Bikes. Und die Sie gleich unterbrechen und Ihnen mitteilen, dass diese Räder brandgefährlich seien. Das haben sie nämlich gelesen. Diese Menschen fahren selbst natürlich Hollandrad.

So wie zu jeder Saison der unvermeidliche Artikel über Impotenz bei Rennradfahrern kursiert, hält und vermehrt sich die schauerliche Kunde über bremsenlose Harakirifahrer, die auf einem einzigen Gang rücksichts- und gnadenlos durch den Stadtverkehr brettern, als gäbe es kein Morgen – zumindest für sie selbst und die Verkehrsopfer, die sie auf ihren Todesfahrten hinter sich herschleifen.

Ich habe zum ersten Mal etwas über diese Gefährten in QVEST gelesen, als ich noch weit davon entfernt war, selbst für dieses Magazin zu schreiben. Fixed Gears, oder auch Fixies genannt, wurden dort als hippe Kurierfahrzeuge angekündigt, die bald aus den Häuserschluchten Manhattans auch in unsere Städte schwappen werden. Ich weiß nicht, was mir damals besser gefiel: die unglaublich eleganten, reduzierten Fahrräder mit dem ultrakurzen Lenker oder das, was man bei Youtube unter dem Stichwort ›Fixed Gear‹ zu sehen bekam. Zum Beispiel ein Video, das von einer Helmkamera aufgenommen ein Fixie-Rennen New Yorker Kuriere aufgezeichnet hat.

Bevor man sich vor Augen führt, wie da jemand in einem Höllentempo durch zwei Lastwagen hindurch auf einen Zebrastreifen zufährt, den gerade mehrere Dutzend Menschen überqueren, sollte man vielleicht Reisetabletten einnehmen. Was diese Filme aber auch demonstrieren: die puristische Bahnrad-Technologie mit einem Gang scheint absolut sicher – sonst würde man ja nicht solche waghalsigen Dinge damit unternehmen, klar.

Also: Ein Fixed Gear musste her. Dieses vollkommen reduzierte Rad ohne Gang (okay, mit einem, Ihr Hollandradfahrer!). Das Bauhaus unter den Bikes. Was jedoch noch ausstand, war: die Verheißung auf ein neues Fahrgefühl. Und es war nicht einfach: Man muss sich von einigen Normalrad-Gewohnheiten trennen. Zum Beispiel sollte man das Bein über den Rahmen schwenken, bevor man anfährt, sonst wird man sofort mitgeschleift, da die Pedale sich schließlich ständig drehen. Auch Bordsteinkanten und alle Hindernisse, bei denen man intuitiv aus dem Sattel geht, erfordern ein besonderes Bewusstein, sonst gibt’s einen ganz schönen Satz. Aber das hat man schnell raus. Ohne Verletzungen. Und dann fährt es sich, als würde man, um es mit Virilio zu sagen, auf einem Sofa sitzen und sich dabei fortbewegen – nur dass die Beine treten. Der Oberkörper bleibt so statisch, dass man mit der Zeit fast vergisst, dass man Fahrrad fährt.

Eine Entscheidung steht noch aus: Vintage oder neu? Neue Räder sehen unglaublich schön aus und kosten ab 600 Euro. Wer aber noch immer sein geliebtes, mittlerweile drei Mal überlackiertes Jugendrad besitzt, kann es für wesentlich weniger Geld auf »Fixed« umrüsten – und fahren, als hätte es kein Gestern gegeben. Echte Nostalgiker unter den Händlern bieten dazu Jerseys sowie Sattel, Kopfschutz und Käppis aus den Siebzigern.

Was allerdings wirklich uncool ist, sind zwei Bremsen. Eine muss genügen. Den Rest besorgt man durch Gegentreten. Wie das funktioniert, zeigen Studien auf Youtube. Ein Fahrer bremst zum Beispiel einfach, indem er gegen eine Mauer fährt. Das Leben kann so einfach sein. Und wenn es dunkel wird, bitte das Licht einschalten.

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