»Persönlicher GESCHMACK wird wichtiger als MARKEN«

Ist COS das H&M für Erwachsene?

Was glauben Sie…?

Die Leute werden ja eigentlich nicht mehr erwachsen, also eher: nein.

Bei H&M geht es um schnelle Mode. Die Marke nimmt Trends sofort auf. Mich persönlich ermüdet das ein bisschen. Irgendwann merkt man, was man mag und was einem steht. Ich bin nicht sehr abenteuerlustig und ersetze in meiner Garderobe ein weißes Hemd durch ein neues, vielleicht etwas anderes, weißes Hemd. Das ist eine erwachsene Strategie, hat aber nicht zwingend mit dem Alter zu tun.

Gibt es das perfekte weiße Hemd?

Die Idee des weißen Hemdes ist perfekt. Auf die Frage, wie es sein muss, gibt es in jeder Saison eine neue Antwort. Die einen wollen seriös aussehen, die anderen lässig, die nächsten sexy. Und wir reden hier immer noch von Mode: Eng ist manchmal noch enger, weit kann auf einmal wieder sehr weit sein.

Ist Zeitlosigkeit ein unerreichbares Ideal in der Mode?

Vermutlich würde jeder zustimmen, dass Katherine Hepburn in ihren Chinos und ihren schlichten Hemden eine gut gekleidete Frau war. Aber der Schnitt müsste heute ein ganz anderer sein.
Das gleiche gilt für Audrey Hepburn. Wenn eine junge Frau heute reden und sich anziehen würde, wie Hepburn als Holly Golightly in »Frühstück bei Tiffany«, würde man sie als affektiert empfinden. Auf der anderen Seite ist ihr Spirit noch immer bewundernswert und frisch. Sie nervt in dem Film. Man muss dieselbe Idee immer wieder neu und modern übersetzen.

Wie hat sich die Modewelt in den letzten Jahren verändert?

Wir stecken in einer Rezession…

Was gut für Sie ist…

Ja. Die Leute geben ihr Geld mit mehr Bedacht aus, im Gegensatz zu dem Shoppingrausch der letzten Jahre. In Großbritannien, wo ich arbeite, sind die Kreditkarten von Privatpersonen stärker überzogen als irgendwo sonst. Ich bin Dänin und habe mich immer über den Lifestyle der Mittelschicht gewundert. Es wurde Zeit, dass die Menschen nicht weiter über ihre Verhältnisse leben. In der Mode sind daher Langlebigkeit und Nachhaltigkeit aktuell. Und insgesamt hat sich der Stil ein wenig beruhigt. Was natürlich bedeutet, dass es in spätestens einem Jahr wieder ein Bedürfnis nach Farben und Spaß geben wird.

Funktionieren Ihre Kollektionen in verschiedenen Ländern unterschiedlich?

Das hat weniger mit Ländern zu tun als mit Städten. Düsseldorf und Berlin haben wahrscheinlich weniger gemeinsam als London und Berlin. In großen Städten mit energetischen Bewohnen kommen die modischeren Teile natürlich am Besten an.

Wo wollen Sie mit COS in fünf Jahren sein? Auf der ganzen Welt?

Ich hätte nichts dagegen, ein bisschen zu wachsen. Aber nicht zu schnell, damit wir unsere Erfahrungen verarbeiten und umsetzen können.

Finden Sie es reizvoll und zeitgemäß, dem Kunden eine ganze Welt anzubieten, in der er von der Schokolade über den Kissenanzug bis zum Abendkleid alles findet, so wie es etwa Armani tut?

Im Moment konzentrieren wir uns darauf, noch besser zu werden in dem, was wir tun.

Seiten: 1 2 3

Share this article on:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • MisterWong.DE
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • email

Leave a Reply