»Persönlicher GESCHMACK wird wichtiger als MARKEN«
Egalitär, erschwinglich, makellos. Mit der Linie COS ist es dem Textilriesen H&M gelungen, seine Firmenphilosophie neu zu interpretieren. Kreativ-Direktorin Rebekka Bay über zeitlosen Chic, überzogene Kreditkarten und die Chinos von Katherine Hepburn.
Vielleicht war es unvermeidlich. Vor zwei Jahren machte sich der schwedische Modekonzern H&M daran, das eigene Portfolio zu erweitern. Diesmal nicht, indem man berühmte oder halbberühmte Designer (von Karl Lagerfeld bis Matthew Willamson) zu Gastauftritten mit Minikollektionen einlud. Sondern mit einem, man möchte es kaum so bezeichnen, nachhaltigeren Konzept: COS (Kürzel für: Collection of Style) ist ein bisschen älter und ein bisschen weniger atemlos als die Muttermarke. Zur Eröffnung eines neuen Ladens in Berlin sprachen wir mit Rebekka Bay, einer gelernten Schneiderin, ehemaligen Trendforscherin und Kreativ-Direktorin der Damenkollektion von COS.

»In der Mode sind Langlebigkeit und Nachhaltigkeit aktuell.«
Qvest: Welche Kleidungsstücke, erstens für Männer, zweitens für Frauen, verkörpern die Idee von COS?
Rebekka Bay: Vielleicht der Trenchcoat. Als Kleidungsstück eine Ikone. Wir fertigen ihn aus einem sehr schönen, italienischen Trenchstoff und geben ihm jede Saison einen anderen Dreh. Im Moment ist er 3/4 lang. Aber das vielleicht typischste Produkt sind unsere Hemden. Klassiker mit leicht veränderten Details. Das Gleiche gilt bei den Frauen. Als wir vor zwei Jahren mit COS starteten, war es nicht so leicht, ein gutes Kleid für einen guten Preis zu bekommen. Eines, das sauber konstruiert ist, und Dich durch den Tag und bis in den Abend begleitet. In unseren Kleidern kann man sehr elegant oder sehr lässig aussehen, man kann sie mit Accessoires tragen oder ganz pur.
Für welche Frau entwerfen Sie?
Sie interessiert sich für Kultur, das Weltgeschehen und natürlich für Mode. Ich hatte im Kopf immer meine Freundinnen. Wir sind eine Clique, seit wir 16 waren. Wir haben immer Kontakt gehalten, haben die gleiche Haltung, aber sehr unterschiedliche Geschmäcker. Und wir könnten alle das gleiche Kleid tragen.
Wie würden Sie diese Haltung beschreiben?
Wirklich modern. Auf der Suche nach Mode, die tragbar und be-nutzbar ist. Selbstbewusst genug, dem eigenen Urteil zu vertrauen. Es sind Frauen, die nicht die Sicherheit eines Labels brauchen. Das ist eine der großen Veränderungen dieser Tage: Persönlicher Geschmack wird wichtiger als Marken.


