TELEPATHE
»Unser Look ist vor allem eine Gegenreaktion auf das,
was mehrheitlich unter Fashion verstanden wird.«

Nach musikalischen Einflüssen befragt nennt Melissa Livaudis wie aus der Pistole geschossen Culture Club und Prince sowie Hip-Hop und Dance Music im Allgemeinen. Also eigentlich fast alles, was sich in den letzten fünfundzwanzig Jahren nicht nach Punkrock angehört hat. Und auch mit der aktuellen Musikszene in Brooklyn, die durch Bands wie MGMT, Yeasayer, Vampire Weekend oder Grizzly Bear weltweit bekannt wurde, möchten Telepathe nichts zu tun haben. »Wir fühlen uns von diesem ganzen Indie-Rock-Hype in Brooklyn komplett abgekoppelt. Das sind doch alles nur Jungs-Bands, deren total langweilige und asexuelle Musik uns einfach überhaupt nicht interessiert.« Dennoch bestehen natürlich sehr wohl Kontakte zur Brooklyner Indie-Szene. David Sitek, Gitarrist bei TV on the Radio und selber leidenschaftlicher Sammler historischer Synthesizer, stand Telepathe als Produzent ihres Debüts »Dance Mother« zur Seite. Herausgekommen ist ein abwechslungsreich produziertes Album mit langsamen und schnellen Stücken im Grenzgebiet zwischen experimentellem Electro-Noise und unbeschwertem Synthie-Pop – dem es manchmal aber an der großen, zündende Idee zu mangeln scheint.
Aber vielleicht gehört dieser Verzicht auf die große, zündende Idee, dieses Bestreben, unaufgeregt normal zu sein und sich dem in die Jahre gekommenen, popimmanenten Innovationszwang zu entziehen, gerade zum Postpop-Charakter des Telepathe-Gesamtkonzepts. Und so verwundert es nicht, wenn einem Melissa Livaudis, befragt nach ihren Zukunftsplänen, sofort »rebelling against popular culture« entgegenschleudert. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts geht in ein paar Monaten zu Ende. Aber Rebellinnen wie Telepathe haben den musikalischen Kampf um die Zukunft des Pop im kommenden Jahrzehnt schon längst begonnen.
»Dance Mother« von Telepathe ist bei Cooperativ (Universal) erschienen.
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