TELEPATHE

Rebellion gegen die Popkultur

Gerade hatte man sich an sie gewöhnt, an die neuen Elektropop-Frauen mit Schleifen aus blondiertem Echthaar und geometrisch verschnittenen Silberkleidchen (wie Lady Gaga) oder rotgefärbten Haartollen und festbetoniert-missmutigem Gesichtsausdruck (wie Elly Jackson von La Roux). Nichts ist ihnen wichtiger, als mit kalkuliert eingängigen Synthie-Popsongs ganz schnell in möglichst alle Charts zu kommen und auf fünfhundert Meter Entfernung wiedererkannt zu werden. Und schon präsentiert sich in Brooklyn wieder ein vollkommen anderer Typus Musikerin, der mit dieser Art von Popbusiness nichts zu tun haben will – oder dies zumindest in Interviews in jugendlicher Underground-Koketterie gern von sich behauptet.

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Telepathe (ausgesprochen wie »telepathy«) nennen Busy Gangnes und Melissa Livaudis ihr elektronisches Zweifrauen-Bandprojekt, das sich in gewisser Weise den üblichen Vermarktungsmechanismen der Musikbranche verweigert. Also keine schrillen Frisuren und Outfits, die einer schnellen Wiedererkennbarkeit dienlich wären. Keine frühstücksradiokompatiblen Melodien und Lyrics, die man nach zweimaligem Hören bereits mitsingen könnte. Im Telepathe-Angebot dafür: zwei junge Frauen, die auf Fotos eher ernst als girly-like aufgesext dreinblicken, und die sich auch nicht so kleiden, als ob sie gleich beim Table-Dance vorbeischauen wollten. Ihr Look, in seiner unglamourösen Normalität natürlich auch gewollt, besteht aus Jeans, Schlabbershirt und Sneakers. »Unser Look ist vor allem eine Gegenreaktion auf das, was mehrheitlich unter Fashion verstanden wird«, erzählt Melissa Livaudis im Interview. »Gegen dieses Modediktat möchten wir ankämpfen und uns möglichst von ihm freimachen. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob uns das immer gelingt.«

Kennengelernt haben sich Melissa Livaudis, die in New Orleans aufgewachsen ist, und die Kalifornierin Busy Gangnes 2003 in New York. Zusammen spielten sie in der Punkrock-Band Wikkid, Melissa an der Gitarre und Busy am Schlagzeug. »Vor drei Jahren waren wir dann aber vom Punkrock und der dazugehörigen Szene dermaßen gelangweilt, dass wir ganz schnell etwas anderes machen mussten«, erzählt Melissa und lacht dabei sogar ein bisschen. »Mit Rockmusik habe ich persönlich ein für alle Mal abgeschlossen«. Elektronische Musik wurde zum neuen Experimentierfeld der beiden Freundinnen, die Telepathe im Jahr 2006 als Bandkollektiv gründeten und anfangs mit wechselnden Musikern zusammenarbeiteten. Besonders fasziniert sind Telepathe vom Sound alter analoger Synthesizer, die ihren Songs den charakteristischen Kick zwischen Retrofuturismus, Düsterpop und experimentell angehauchtem Elektroclash verleihen. Ihr eigener mädchenchorhafter Gesang begleitet die dunklen Synthesizerklänge, bei Live-Auftritten kommen gelegentlich auch Schlagzeug und E-Gitarre zum Einsatz.

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