DURO OLOWU
Unsere Kolumnistin begleitete den neuen Stern am Modehimmel in seinem selten geöffneten Shop in London und sprach über seine erste große Liebe, seine Eltern, seine Einflüsse und sein bestes Stück – dieses Kleid, das um die ganze Welt ging.

Elisabeth von Thurn und Taxis: Erzähl, was inspiriert dich?
Duro Olowu: Als Kind war ich von dem Maler und Rubens-Schüler Anthonis van Dyck fasziniert, mehr als von jedem anderen Künstler, vor allem wegen seiner Detailgenauigkeit. Ich mag Vierziger Jahre-Filme, und ich liebe Bob Marley and the Wailers. Meine Eltern nahmen uns öfter mit in den Urlaub in die Schweiz, und ich verbrachte eine Menge Zeit damit, Magazine zu lesen. Ich hörte früher Jimi Hendrix und Deep Purple, während meine Eltern der Generation von Nat King Cole und Ella Fitzgerald angehören. Deshalb hatte ich unterschiedliche Einflüsse. Meine Mutter ist Jamaikanerin und mein Vater Nigerianer. Bei uns gab es diesen sehr traditionellen nigerianischen Anteil im Familienleben wie etwa die Sitte, niederzuknien, wenn mein Großvater den Raum betrat. Andererseits war da der verrückte, karibische Ska- und Reggae-Background aus Jamaika.
Dann entdeckte ich Miriam Makeba, die südafrikanische Sängerin, und wurde völlig besessen von ihr. Irgendwann hat Romy Schneider sie abgelöst, sie war eine Zeit lang alles, woran ich denken konnte. In meiner Kollektion gibt es dieses ganz schlichte Kleid in schwarz-weiß, das fast wie ein Hemd aussieht und das ich das »Romy-Kleid« genannt habe. Wenn man auch nur einen Knopf öffnet, sieht es sehr sexy aus, ohne vulgär zu wirken. Es ist nicht zu lang und nicht zu kurz, und sie trug es meistens in Kombination mit Perlen.
Du nennst diese wunderbare Modelinie nach deinem Namen, bist aber keineswegs den branchenüblichen Weg gegangen. Wie hat alles angefangen?
Ich bin in Nigeria aufgewachsen. Zuerst war ich Anwalt, aber schon als kleiner Junge wusste ich, dass ich Designer werden will. Ich habe ununterbrochen gezeichnet, von daher war klar, was mal aus mir werden soll. In den Neunziger Jahren bin ich von London nach Paris umgezogen, ohne dort irgendjemanden zu kennen. Ich glaube, da war ich 24 Jahre alt. Ich bin einfach von Café zu Café gezogen und habe gezeichnet, bin damit umhergelaufen und habe bei Leuten an die Tür geklopft. So habe ich auch bei Azzedine Alaïa geklingelt und gesagt, „Guten Tag, ich bin ein junger Designer, wollen Sie sich nicht mal einen Blick auf meine Zeichnungen werfen?“ Ich konnte es aber selbst kaum glauben, als ich sah, wie dieser kleine Mann mit dem dunklen Haar sich tatsächlich über meine Skizzen beugte. Viel später sind wir Freunde geworden.
Erstaunlich. Was passierte dann?
Ich zog zurück nach London, saß im Bus und verliebte mich. Ich sah aus dem Fenster unten ein Mädchen sitzen und war sofort verknallt. Ich mietete die Wohnung über ihr an, wenig später haben wir geheiratet und eröffneten gemeinsam einen Laden. Sie stellte Schuhe her und ich Kleidung. Das war ein kleiner Laden in der Ladbury Road vor etwa zehn Jahren. Damals herrschte ein frischer Wind in der Gegend, und obwohl meine Ehe nicht mehr besteht, war das ein großartiger Anfang.
Oh nein!
Wir trennten uns, und ich verkaufte den Laden, das war alles schon ein bisschen traumatisch, stimmt. Du weißt bestimmt, wie es ist, sich zu trennen. Ich wusste, wie ich weitermachen wollte, also entwarf ich dieses eine Kleid. Wenn du es siehst, wirst du wahrscheinlich sagen, „Klar, kenne ich“. Es wurde nämlich sehr berühmt. Es hat ein Band unterhalb der Brüste und diese langen, weiten Ärmel. Charlotte von der amerikanischen „Vogue“ hat es gekauft, und ein paar Wochen später rief sie mich aus New York an und erzählte, dass sie ständig von Männern, Frauen und Kindern auf dieses Kleid angesprochen wird. Es endete damit, dass es für die amerikanische VOGUE fotografiert und ein Riesenerfolg wurde. Es wird heute noch gern kopiert.
Wann hat Dein unglaublicher Laden an der Portobello Road eigentlich jemals geöffnet?
Die Leute machen schon ihre Witze darüber. Es stimmt, ich habe nur an drei Tagen die Woche geöffnet. Aber das gibt mir die Möglichkeit, noch andere Dinge zu tun – und meine Kunden haben das Gefühl, wie Privatleute behandelt zu werden.