Den zuckerkorb von KPM Berlin

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Bei Häkelarbeiten gruselt es mich. Versuche ich, die kleinen filigranen weißen Kunstwerke völlig wertfrei zu betrachten, dann sind diese nur aus Löchern bestehenden Textilien faszinierend. Sie verlangen nach etwas Schrägem, Ungewöhnlichen und dürfen nicht auf polierten Kirschbaumoberflächen landen.

Beim Zuckerkorb geht es um einen Mann, der Bauhaus erst möglich gemacht hat: Karl Friedrich Schinkel. Sagt man dem Biedermeier doch eine wegbereitende Funktion für die Moderne nach – und Schinkel war eben ein Künstler dieser Zeit. Heute würden wir sagen, er ist der Designer des Zuckerkorbs. Womit man ihm nicht ganz unrecht tut, aber er war eben auch viel mehr. Architekt, Maler, Bühnenbildner, Stadtplaner, Visionär. Nebenbei hat er ein bisschen in Porzellan gemacht. Eines der Ergebnisse ist dieses wunderschöne, in den Proportionen an ein halbes Ei oder eine antike Vase erinnerndes Stück. Es schafft, potenziell biedere handwerkliche Präzision zu durchbrechen und modern zu wirken. Hergestellt wird es von der Königlichen Porzellan Manufaktur Berlin, einer schlafenden Diva unter den Porzellanmanufakturen. Es sei jedem empfohlen, sich auf die Suche nach den unglaublich schönen Preziosen der Manufaktur aus der Bauhaus-Ära zu machen.

Was das alles mit Häkeln zu tun hat? Der Zuckerkorb sieht aus, als sei er gehäkelt. Aus Baumwollfäden mag so etwas einfach herzustellen sein, doch um den Effekt in Porzellan zu erzeugen, sind hunderte kleine präzise Schnitte nötig. Eine Arbeit, die nur noch ganz wenig ausgebildete Handwerker ausführen können. Manufakturen wie KPM Berlin sind somit Reservate in unserem industriellen Alltag, weil sie so eine Kunst am Leben erhalten.

Besonders begeisternd ist die moderne Interpretation des immerhin fast 200 Jahre alten Entwurfs: in dem Korb hängt ein in knalligen Farben lackierter Einsatz. Bunt schimmert es durch das Flechtwerk – gelungen schräg.

Sebastian M. Fischenich ist Creative Director bei bel epok und Gastprofessor an der Universität der Künste Berlin.

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