Knäckebrot Realismus
ANJA VON KAMPEN trifft Marie Bäumer zum Interview bei Marmeladentoast mit Ei im Berliner Concorde Hotel.
Die Hamburger Fotografin VANESSA MAAS produzierte für QVEST eine außergewöhnlich persönlich anmutende Fotostrecke von Marie Bäumer in Maison Martin Margiela.

Marie Bäumer: Ich werde noch ´ne ganze Weile frühstücken, ich hoffe, dass Sie das nicht stört.
Qvest: Die Fotos für QVEST sind sehr schön geworden …
Ach, haben Sie die schon gesehen? Ich bin gespannt auf die Auswahl.
Mit der Fotografin Vanessa Maas haben Sie ja nicht das erste Mal zusammengearbeitet.
Das dritte Mal jetzt in sehr kurzer Zeit. Vanessa hat seit ganz kurzer Zeit überhaupt erst angefangen, Menschen zu fotografieren, und ich bin glücklich, ihr das als erste vorgeschlagen zu haben. Seitdem habe ich fast Schwierigkeiten, sie für einen neuen Termin zu gewinnen.
Die Arbeiten von Vanessa Maas sind eher düster und melancholisch. Hat Sie das angesprochen?
Genau. Ich habe ihre Mappe gesehen und hatte kurze Zeit später richtige Sehnsucht nach diesen Bildern.
Steht hinter einer Arbeit eine andere Kraft, wenn man sie erschafft mit Menschen, die man mag?
Die Energie drückt sich in den Bildern aus. Ich mag Vanessa Maas als Mensch, und das Projekt hat unsere Freundschaft noch mal vertieft. Sie ist mit ihrem Mann an Ostern zu mir nach Frankreich gekommen, da haben wir zwei Strecken gemacht. Eine in einem wahnsinnig schönen Hotel und diese hier, einmal rund um mein Haus herum.
Man hat das Gefühl, dass Vanessa Sie genau kennt. Könnte ein anderer Fotograf ähnlich kraftvolle Bilder erzeugen, oder liegt die Qualität in der zwischenmenschlichen Beziehung?
Ich habe gerade ziemlich kurz hintereinander zwei Mal mit Karl Lagerfeld gearbeitet, einmal für die Vogue und dann für den Stern. Das entwickelte sich auch schnell. Aber wenn man fotografiert wird, ist man völlig schutzlos. Beim Spielen kann man dann noch auf seine Rolle zurückgreifen und seinen Spielvorgängen folgen, aber beim Foto steht man wirklich blank und bloß da.
Karl Lagerfeld hat mich ungeschminkt und in Schlabberklamotten mit nach draußen genommen, so wie ich war. Vor dem Fotostudio war eine Säule, an der Wasser herunter floss, und davor modriger Boden. Dort hab ich mich dann hingehockt und bin immer weiter zurück gerutscht, bis ich unter diesem Wasser saß. Da sind sehr authentische Bilder entstanden.
