visuelle kommunikation in BERLIN, elektronische komposition in ESSEN

Schwerelos in der postpostpostmodernen Welt der Zitate:
Schwefelgelb wollen nichts perfekt machen und machen deshalb alles richtig. 

 

dsc_2756_l
Sid & Eddy suchen ihre Arbeitskleidung selbst aus. Manchmal in der Frauenabteilung.Sid & Eddy suchen ihre Arbeitskleidung selbst aus. Manchmal in der Frauenabteilung.

 

Ein hochenergetischer Tanz, irgendwo zwischen Elektrospasmus (vermutlich elektroschockbedingten Spasmen) und Lichthahnenkampf: Mit jeder seiner hackenden Kopfbewegungen, mit jeder Beugung seines Oberkörpers fliegt Sids an den Seiten ausrasiertes Haar neu auf. Nicht gerade schwefelgelb ist es, dafür wasserstoffblond. Und auch die weißen Fransen seines Oberteils, ursprünglich wohl mal für ein Rodeo-Showreiten bestimmt, fliegen: Electric Indian, Lichtirokese. Verwischen wie seine Haarsträhnen vor dem dunklen Bühnenhintergrund zu winzigen Kometenschweifen und setzen nicht nur im übertragenen Sinn minimalistische Highlights im auch sonst minimalistisch gehaltenen, atmosphärisch allerdings umso dichteren Konzept der Liveshow. Anflüge einer Neurose wie bei »Suicide«-Sänger Alan Vega zucken über Sids Gesicht und ironisch übersteigerte Fratzen ziehen darüber hinweg. Seine schwarz geschminkten Augen scheinen aus ihren Höhlen zu wollen: »Sag mir, warum / Sag mir, warum nicht / Sag mir, wofür / Sag mir, wofür sonst.« 

Berlin, Freitagnacht, Friedrichshain, hinter ein paar besonders grauen Mauern: Auf der quadratischen Mindestbühne des Nachtclubs Lovelite stehen Schwefelgelb. Eddy, der andere Part des Duos aus der Nordeiffel, spielt das elektronische Schlagzeug im latexüberzogenen und darum gelegentlich aus dem Dunkel hervorblitzenden Oberteil. Setzt zu Sids zwischendurch wie gellendem Rufgesang konzise Background-Worte hinzu. »Stein auf Stein!« 

Seiten: 1 2 3

Share this article on:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • MisterWong.DE
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Add to favorites
  • email

Leave a Reply