sommerSPROSSEN & ANDERE lügen

Wie die New Yorker Künstlerin durch Matisse zu sich fand und warum sie an eine post rassische Zukunft glaubt.

Eine riesige Zunge, die sich durch grünen Schleim leckt, bietet selbst auf New Yorks visuell aggressivem Times Square einen ungewöhnlichen Anblick. Im April präsentierte die amerikanische Künstlerin Marilyn Minter hier auf dem vergoldeten MTV-Bildschirm ihr neuestes Video »Green Pink Caviar«, das einen Vorgeschmack auf ihre neue Ausstellung in der Galerie Salon 94 Freemans (bis 13. Juni) bot. Die dort gezeigten Arbeiten markieren eine Rückkehr zu den radikaleren Methoden Minters. Wir sprachen mit ihr über Selbstbild, Bildgestaltung und unkonventionelle Schönheit.

chewing-green_rl1speichelfluss in giftgrün Chewing Green, 2009, C-Print, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und Salon 94, New York

»Ein Model konnte soviel Flüssigkeit produzieren, dass sie praktisch im Speichel ertrank.«

Qvest: Sie haben mir mal erzählt, dass etwas, was Sie über Matisse gelesen haben, Sie dazu veranlasste, ins Fitnesstudio zu gehen.

Marilyn Minter: Vor ein paar Jahren bekam ich langsam mehr Aufmerksamkeit: die Whitney Biennale, eine neue Galerie – Salon 94 – und viel Presse. Ich war so gut wie nie zuvor. Damit es so weiterlief, musste ich unbedingt in Form sein. Ich brauche viel Kraft, um schwere Kameras zu halten, weil ich kein Stativ benutze. Und ich muss mich oft hinknien oder auf dem Boden des Studios herumkrabbeln, um diese Bilder zu machen. Ich hatte in einer Biografie über Matisse gelesen, dass er jeden Tag schwimmen ging, um in Form zu bleiben. Deshalb habe ich mit Fitnesstraining angefangen.

Und das Medieninteresse?

Ich war immer groß und schlank. Lange Zeit habe ich mich kaum darum gesorgt, wie ich aussehe. Hat eh niemanden interessiert. Als man anfing, mich zu fotografieren, fiel mir auf, wie schrecklich ich aussah. An einem bestimmten Punkt habe ich dann entschieden: wenn schon die beste betagte Künstlerin, dann richtig.

Hatte Ihre Haltung etwas mit Ihrer Vorstellung von einer ernsthaften Künstlerin zu tun, die sich nicht um Oberflächlichkeiten wie Kleidung schert?

Nicht wirklich. In der Kunstwelt gibt es durchaus einige modebewusste Vorbilder. Ich denke, der alte Tropus des ernsthaften Intellektuellen, der sich nicht mit Oberflächlichkeiten abgibt, hat mittlerweile ausgedient. Mode schafft Zugehörigkeit. Selbst wenn man zur Kategorie »Mir doch egal« gehört.

Hat sich durch Ihren neuen Zugang zu Ihrem eigenen Erscheinungsbild in Ihren Arbeiten etwas geändert?

Ach! Ich wünschte, der kreative Prozess wäre so einfach. An meiner Arbeit hat sich dadurch nichts geändert. Ich habe nie mit Mode gearbeitet. Das ist mir zu schwierig. Ich habe keine Ahnung, wie Modefotografen das machen.

In welcher Beziehung steht diese Entwicklung zur Entwicklung Ihrer künstlerischen Karriere?

Ein Großteil meiner Arbeiten beruht auf der Wahrnehmung von Schönheit und Glamour. Mich interessiert der Glanz, den es schon gibt in der Welt. Aber es reizt mich, die Grenzen hier ein wenig zu verschieben.

Ich würde sagen, Sie verschieben sie ganz schön.

Ich bin übrigens immer wieder überrascht, wenn Leute finden, meine Arbeiten seien anstößig oder abstoßend.

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1 Comment

    MARAVILLOSOS TRABAJOS.

    SALUDO DESDE ARGENTINA. HTTP//LILIANALUCKI.BLOGSPOT.COM

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