Das WOLLJACKETT von Boy by Band of Outsiders

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Obwohl es scheint, als würde ich meinen Lebensunterhalt in der Welt der Mode verdienen, bin ich miserabel darin, mich anzuziehen.

Ich mag Kleider, denke ich mal, weil ich mich besser fühle, wenn ich viel Geld für sie ausgebe. Sobald aber das ganze Geld, das zauberhafter Weise eben noch exis-tent war, verpufft ist, und die Kleider in meiner Wohnung landen, weiß ich überhaupt nicht, was ich mit ihnen anstellen soll. Ich ziehe immer noch dieselben Hemden wie im Internat an. Wirklich. Es sind sogar noch die Namensschilder drin. Die meisten Menschen, gerade solche, die mich beschuldigen, ich würde mich, wie in der Schule anziehen und benehmen, haben diese ernsten Stilregeln und sie sprechen tatsächlich darüber, wie und weshalb sie bestimmte Kleider tragen, die sie anziehen. Ich habe eine Regel: weiße Socken sollten nie mit etwas Anderem als Tennisschuhen kombiniert werden. Und falls Sie jetzt verwirrt sind, sagen wir, es ist Waschtag oder Sie sind unpäßlich und haben nur noch weiße Socken in Ihrer gesamten Garderobe: Spielen Sie auf keinen Fall Tennis! Beginnen Sie einen neuen Sport.

Wahrscheinlich sollte ich auch sagen, daß man keine Stricksachen tragen sollte, die nicht aus Kaschmir sind. Eigentlich sollte
jedes Kleidungsstück aus mindestens vierfädigem Material gesponnen sein – außer vielleicht Bade-anzüge und Moskitonetze. Jetzt denken Sie sicher, ich sei ein Superdepp, doch eigentlich kenne ich Sie nicht gut genug, dass Sie behaupten könnten, dass ich ein Superdepp bin. Vermutlich behalten Sie trotzdem Recht.

Scott Sternberg war vor gar nicht allzu langer Zeit ein Agent bei Creative Artists Agency (CAA). In Hollywood ist das eine ziemlich große Sache. Scott gefiel jedoch das Agentenleben nicht, so entschied er sich um und wurde stattdessen einer der besten Modedesigner der Welt. Ein Mann mit umwerfendem Stil. Er weiß immer genau, wie er sich anziehen muß. Selbst mir könnte er sagen, wie das geht. Eigentlich tut er genau das.

Diese Saison haben wir zusammen gearbeitet, und ich habe eine Menge von ihm gelernt. Wenn seine Kollektion endlich in den Shops hängen wird, dann werde ich das meiste meines Geldes für sie ausgeben – und das bevor ich die Miete bezahle.

Obwohl ich dafür keine sichere Quelle habe, bin ich mir sicher: Scott macht seine Kleider für mich. Er weiß, daß ich ein übergroßes Männerhemd, darunter einen Overall und darüber einen Blazer tragen will. Weil er auch weiß, daß ich ein verwöhntes Kind bin und gerne erstklassige Produkte trage – inklusive der Schuhe aus gebrauchten Hosenträgern einer Wall-Street-Führungskraft, aus feinsten Materialien hergestellt und von Experten geschneidert.

Das Jackett wurde vollkommen von einem Paar Hände geschaffen, aus tropischer Wolle. Die ist eindeutig noch besser als Kaschmir. Vor allem, weil sich das niemand leisten kann. Genau. Ernsthaft: Dieses Outfit läßt wirklich jeden gut aussehen – selbst jemanden wie mich.

Und es wird nicht einmal so aussehen, als hätten wir uns dabei Mühe gegeben. Ich werde jetzt eine Runde Tennis spielen gehen.


Jessica Joffe schreibt meistens. Und modelt von Zeit zu Zeit. Sie lebt in New York.


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