… trifft JÜRGEN TELLER

Unsere Kolumnistin traf den Fotografen Jürgen Teller in seiner Wohnung in Ladbroke Grove/London. Die beiden sprachen z.B. über ihre bayrische Heimat (sie Regensburg, er Franken) und die Brust von Charlotte Rampling.

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Qvest: Wie ist Dein momentaner Geisteszustand?

JT: Ich hab einen Hangover, aber ansonsten gut. Ich arbeite an sechs neuen Projekten und Layouts von Büchern. Außerdem habe ich gerade Charlotte Rampling und Raquel Zimmermann, das brasilianische Model, nackt im Louvre vor der Mona Lisa fotografiert. Davon bin ich ziemlich begeistert. Und Ende des Jahres habe ich eine große Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg, das ist für mich persönlich wichtig, denn ich komme aus der Gegend.

Bist Du heimatverbunden?

Ich fühle mich verbunden mit meiner Familie, mit meinem Haus, mit der Natur und dem Wald, in dessen Nähe ich aufgewachsen bin. Ich kann mich noch gut an diese windstillen Sommer erinnern.

Erkennt man Dich zuhause?

Bekannt bin ich schon, aber kann doch machen, was ich will. Meine Mutter hat immer Angst, wenn ich nackert durch die Gegend eiere in meinen Fotos. Das findet sie ein bisschen peinlich.

Was bedeutet Dir London?

Ich bin hier seit 1986, habe zwei Kinder, und das ist jetzt meine Heimat. Am Anfang war es extrem schwierig. Aber die Leute lassen dich hier sein, es ist relativ offen.

Hast du schon immer hier in Westlondon gelebt? Viele finden doch den Osten so toll, Hackney und Islington.

Klar, aber ich liebe das hier. Auf der Golborn Road da hab ich meinen Fischladen, und ich kann hier alles einkaufen, was man so zum Kochen braucht. Außerdem bist du hier gleich am Flughafen. Im Osten fehlt mir was Grünes und es gibt auch keine guten Schulen.

Meine Mutter nennt den Osten Afrika.

Klar, das stimmt. Und dann gibt’s die Ecken, wo nur 20- bis 30jährige abhängen und alle sind cool gestylt. Das ist sowas von langweilig.

Viele Deiner Fotos sind ziemlich extrem: die Nacktaufnahmen auf dem Grab deines Vaters, die Bilder von deinem Baby behängt mit Schmuck für Phillips oder die Aufnahmen mit Charlotte Rampling. Was bedeutet dir das Extreme?

Es ist einfach notwendig. Wenn dein Vater sich umbringt, ist das extrem. Das Leben ist extrem. Schön und extrem. Ich versuche, das einfach zu verarbeiten. Mit Charlotte Rampling, da hab ich gedacht, da könnte ich mal so hingehen und sie küssen und ihr bissel an der Brust rumfummeln. Das macht ja keiner, kann ich ja mal fragen, ob das geht.

Ist es dir wichtig, eine Beziehung zu deinen Models zu haben?

Es kommt darauf an. Zu Yves Saint Laurent hatte ich überhaupt keine Beziehung. Der wurde von Bodyguards angekarrt, und dann hatte ich zehn Minuten. Das kam mir vor wie eine Vergewaltigung und nach dreißig Sekunden sagte ich: »Mr. Saint Laurent, ich hab’s jetzt schon.« Mit Charlotte, Raquel Zimmermann, Kate Moss oder Kristin McMenamy verbringe ich schon viel Zeit. Dann kochst du halt für die oder gehst essen.

Wie bist Du dazu gekommen, Victoria Beckham zu fotografieren?

Das war die Idee von Marc Jacobs. Sie saß in seiner Show in der ersten Reihe, und es war ein völliger Alptraum mit Hunderten von Paparazzi. Marc rief mich am nächsten Tag an und meinte: »What do you think of VB?« »Des machen wir«, habe ich gesagt. Ich hab ihr erklärt, was wir in der Modewelt so machen: »Das sind alles Produkte, Handtaschen, Schuhe und der ganze Zubehör-Scheiß. Und du bist ja eigentlich auch bloß ein Produkt und deshalb stecken wir dich in eine over-sized Marc Jacobs Tasche.« Sie sagte: »Yes. You are right, I am a product.« Es wäre viel zu einfach gewesen, sie auszulachen. Wir wollten, dass sie mit uns lacht. Während des Shoots hat sie Marc angerufen und gesagt: »Es läuft super, aber ich möchte nicht, dass sich Jürgen auszieht.«

Was liebst du an der Fotografie?

Gute Frage. Ich habe ein visuell hungriges Auge. Ich möchte Fotos machen, die ich noch nicht gesehen habe. Für die Vivienne Westwood Kampagne sind wir nach Las Vegas gefahren und haben sie gemeinsam mit Pamela Anderson fotografiert. Die kennt man ja vor allem nackt, aber neben der Engländerin mit den orangen Haaren und der weißen Haut – das passt überhaupt nicht und passt wunderbar. Ich will einfach ein Abenteuer. Ich habe nie darüber nachgedacht, Karriere oder Geld damit zu machen oder an irgendwelche Frauen ranzukommen. Das sind bloß angenehme Nebeneffekte. Ich wollte einfach immer nur fotografieren.

Interessiert Dich Modefotografie?

Ich sehe es als Theater. Der Designer gibt dir eine Vision, die du dann weiterträgst. Oft sagen die Leute: »Herr Teller interessiert sich überhaupt nicht für Mode.« Das ist ein völliger Scheiß. Klar interessiert mich Mode. Ich beschäftige mich schon seit 20 Jahren mit dem Zeug.

Klar, Mode macht ja auch viel Spaß.

Letztlich ist alles irgendwie Mode. Es geht um Menschen und wie sie sich benehmen, je nach dem, wie sie angezogen sind.


elisabeth_l


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1 Comment

    [...] MODE: Elisabeth von Thurn und Taxis trifft Jürgen Teller Als die gottesfürchtige Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis im Jahr 2001 in Michel Friedmans Talkshow der bundesdeutschen Wohnzimmeröffentlichkeit erklärte, das Aids-Problem in Afrika habe damit zu tun, dass »der Afrikaner gerne schnackselt«, war die Entrüstung groß. Elisabeth von Thurn und Taxis, Glorias 27-jährige Tochter, scheint Mutters Talent zur Weltvereinfachung geerbt zu haben: In der aktuellen Relaunch-Ausgabe der deutschen Glanzzeitschrift Qvest unterhält sich Elisabeth, die eine Karriere als Journalistin anzustreben scheint, mit dem Modefotografen Jürgen Teller über dieses und jenes – und siehe da: Auch hier bekommt ›der Afrikaner‹ sein Fett weg, beziehungsweise seine britischen Nachfahren. Gott hilf dieser Familie! [...]

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