Das bleiglas-fenster von Studio Job

Das Designer-Duo Job Smeets und Nynke Tynagel, bekannt als »Studio Job«, widersetzt sich der Logik zeitgenössischen niederländischen Designs. Diese besagt nämlich, Gegenstände sollten harmonisch und durchaus eigenwillig, aber nichtsdestotrotz funktional gestaltet sein. Die Möbelstücke und Objekte von Smeets und Tynagel haben sich nicht nur einer gewissen Dysfunktionalität verschrieben, sondern zeichnen sich auch durch einen unverkennbar düsteren Zug aus, der eher an die Fantasie flämischer Maler des 16. Jahrhunderts wie Hieronymus Bosch erinnert als an den Optimismus von De Stijl. Wenngleich die beiden Gestalter als Botschafter niederländischen Designs gefeiert werden, betonen sie doch immer wieder ihre paneuropäischen Gene und schöpfen Inspiration aus sehr unterschiedlichen Quellen – von der bäuerlichen Kultur Bayerns (»Bavaria«, 2008) bis zu römischen Totenkulten (»Perished«, 2006).
Seit sie sich kennenlernten, Mitte der 90er Jahre an der Design Academy Eindhoven, bringen die beiden Holländer die Fundamente der Designwelt regelmäßig ins Wanken. Zu ihren Kunden bei kommerziellen Auftragsarbeiten zählen unter anderem die Modeschöpfer Viktor & Rolf, die ehrwürdige Porzellanmanufaktur Tichelaar Makkum oder die Fliesenikone Bisazza. In den meisten Fällen bewegen sich die fein gearbeiteten, limitierten Stücke des Designerpaares aber auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Design. »Manchmal haben wir das Gefühl, der Welt von Jeff Koons näher zu stehen als der Arbeit von Philippe Starck«, sagt Smeets und fügt schnell hinzu, man wolle sich lieber nicht dem allgemeinen Designtrend hin zum Funktionalismus anschließen: »Dann sind Nynke und ich halt einfach Künstler.«
Für ihr jüngstes Projekt »The Gospel« hat Studio Job zwei handgefertigte Bleiglasfenster gestaltet, die religiös inspirierte Motive wie Jesus Christus, die Jungfrau Maria, aber auch Raketen und Kernkraftwerke zeigen. Seine öffentliche Premiere erlebte das Werk auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse, wo Besucher die handwerkliche Qualität der Arbeit bestaunen oder einfach eines der 12-teiligen Porzellanservices bestellen konnten, die von der Installation inspiriert und von Royal Tichelaar produziert wurden.
Felix Burrichter ist Verleger von »Pin-Up«, einer in New York herausgegebenen Zeitschrift für »architektonische Unterhaltung«, sowie Redakteur von »Butt«, unserer bevorzugten Schwulenzeitschrift.
