golfkrieg in Nizza

Parking provocation: Eva wears a yellow hat by Fiona Bennett, a tie-dye dress by Paul&Joe and black patent leather pumps by Rupert Sanderson.
Es bleibt eines der ungeklärten Mysterien in der Geschichte der Namensgebung von Produkten, warum Volkswagen 1974 ihren neuen, sparsamen, kantigen Fahrcontainer nach einer Sportart der Elite benannte. Wollte der Konzern das »Volk« aus dem »Wagen« jagen? Das ist jedenfalls nicht gelungen: Stattdessen erschuf er den Bestseller des Jahrhunderts und damit der Geschichte des Automobils. Mit der GTI-Variante sagt Wolfsburg 1976 der Sportwagen-Nomenklatura den Kampf an. Der Golfkrieg hält bis heute an.
Im Herbst 1973 drosselt die OPEC ihre Fördermengen: Ölschock! Väter der Babyboomer-Generation lassen ihre Granadas in der Garage und ziehen, enttäuscht von der Regierung Willy Brandts, an autofreien Sonntagen durch die Trabantenvororte der BRD. In Wolfsburg hat sich unterdessen ein konspirativer Kreis verschworen, um einen sparsamen Nachfolger des VW Käfers zu schaffen. Im Frühling 1974 ist es so weit: Der Golf 1 läuft vom Band.
Der Erfolg des »Rabbit«, wie die Amerikaner den Flitzer taufen, ist nicht nur intelligenten Ingenieuren und Autobauern zu verdanken. Die radikale Abkehr des italienischen Designers Giorgio Giugiaro von den ornamentalen Kurven des Käfers zum kantigen Design mit der schrägen Heckklappe revolutioniert grundlegend unsere Sehgewohnheiten. Ein gewagtes Experiment, aber das »Paper Folding Design« findet blitzschnell Nachahmer.
Giugiaro, der bereits mit 17 in der Kaderschmiede des italienischen Automobilherstellers Fiat lernte, hat sich auch im Hause Bertone mit dem Alpha Romeo GT einen Namen gemacht. Die Aufgabe der 70er Jahre, nämlich den Spagat zwischen schwindenden Erdölvorkommnissen und einer zur Mobilität erwachenden Mittelschicht zu schaffen, erledigt der Sohn eines Kirchenmalers mit der Virtuosität eines Michelangelos.
1976 setzt Wolfsburg zu einem zweiten radikalen Schnitt an: das Hasen-Origami kommt als GTI-Variante mit einem 1,6-Liter-Einspritzmotor (Gran Turismo Injection) auf den Markt und sagt dem Sportwagenetablissement den Kampf an. Zunächst von Porsche und Ferrari belächelt trifft das Kalkül den Nerv einer komplexen Nachkriegsgeneration, jenseits von Klassendenken, berauscht von einem hedonistischen Freiheitsgefühl. Die Geschwindigkeit wird demokratisch.
